Welttag der Information über Entwicklungsfragen

Der 24. Oktober lenkt den Blick auf Entwicklungsfragen und auf das Reden darüber. Ausgerufen hat den Tag die UN-Generalversammlung 1972 und legte ihn bewusst auf das Datum, an dem 1970 das 0,7-Prozent-Ziel beschlossen wurde.

Titelkarte: Welttag der Information über Entwicklungsfragen, 24. Oktober
Auf einen Blick
Datum24. Oktober 2026
Ausgerufen vonVereinte Nationen
ResolutionA/RES/3038
ArtInternationaler Aktionstag
Tag im Jahr297 von 365
WochentagSamstag

Der Welttag der Information über Entwicklungsfragen fällt jedes Jahr auf den 24. Oktober, 2026 also auf einen Samstag. Er soll die Weltöffentlichkeit auf die Probleme der Entwicklung aufmerksam machen und auf die internationale Zusammenarbeit, die zu ihrer Lösung nötig ist. Ausgerufen hat ihn die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der Resolution 3038 (XXVII) vom 19. Dezember 1972, begangen wird er seit 1973. Das Regionale Informationszentrum der Vereinten Nationen führt ihn unter genau diesem Beschluss.

Die Zahl
0,7 Prozent
ihrer Wirtschaftsleistung sollten die Industriestaaten für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit aufwenden. Das Ziel steht in der Internationalen Entwicklungsstrategie, die die Generalversammlung am 24. Oktober 1970 annahm — an dem Datum also, das dieser Welttag aufgreift. Erreicht sein sollte es 1975, spätestens 1980. Quellen: die Vereinten Nationen und die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages.

Warum es diesen Tag gibt

Der Beschluss stammt vom 19. Dezember 1972. Mit der Resolution 3038 (XXVII) richtete die Generalversammlung den Tag ein, um die Aufmerksamkeit der Welt auf Entwicklungsprobleme zu lenken und auf die Notwendigkeit, sie durch internationale Zusammenarbeit zu lösen. Die Begründung nennen die Vereinten Nationen selbst: Eine bessere Verbreitung von Informationen und die Mobilisierung der öffentlichen Meinung, besonders unter jungen Menschen, führe zu einem größeren Bewusstsein für die Probleme der Entwicklung.

Für das Datum gab es zwei Gründe zugleich, und beide stehen im Beschluss. Der erste ist der Tag der Vereinten Nationen, der ebenfalls auf den 24. Oktober fällt und an das Inkrafttreten der UN-Charta im Jahr 1945 erinnert. Der zweite ist ein Jahrestag in eigener Sache: Am 24. Oktober 1970 nahm die Generalversammlung mit der Resolution 2626 (XXV) die Internationale Entwicklungsstrategie für die Zweite Entwicklungsdekade an.

Wer am 24. Oktober zwei internationale Tage im Kalender findet, sieht deshalb keine Dublette, sondern eine Absicht. Der jüngere Tag hängt sich bewusst an den bekannteren, weil er von dessen Aufmerksamkeit lebt. Ein eigener Termin an einem beliebigen Tag hätte für einen Tag, der von Öffentlichkeit handelt, wenig Sinn ergeben.

Worum es geht

Der Gegenstand dieses Tages ist ungewöhnlich. Es geht nicht um ein Sachthema wie Wasser, Ernährung oder Gesundheit, sondern um das Reden darüber. Gemeint ist die entwicklungspolitische Informations- und Bildungsarbeit: Unterricht, Ausstellungen, Materialien für Schulen, Berichterstattung.

Die Sachthemen selbst haben eigene Termine, mehrere davon im selben Monat. Der Internationale Tag für die Beseitigung der Armut liegt am 17. Oktober, der Welttag des Wohn- und Siedlungswesens auf dem ersten Montag im Oktober. Der 24. Oktober fragt nicht, wie es um Armut oder Wohnraum steht. Er fragt, wie viel die Öffentlichkeit davon erfährt.

In Deutschland ist die zuständige Stelle benannt. Engagement Global gGmbH ist nach Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die zentrale Einrichtung für die Umsetzung seiner entwicklungspolitischen Informations- und Bildungsarbeit.

Die Zahl
0,67 Prozent
seiner Wirtschaftsleistung gab Deutschland 2024 für öffentliche Entwicklungsleistungen aus. Das sind rund 30 Milliarden Euro und etwa fünf Milliarden weniger als im Vorjahr. Damit verfehlte die Bundesrepublik erstmals seit 2020 das Ziel von 0,7 Prozent. Ohne die im Inland angerechneten Flüchtlingskosten läge die Quote bei 0,54 Prozent. Quelle: das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nach vorläufigen Zahlen der OECD.

Ein Datum, das ein Versprechen datiert

Die 0,7 Prozent aus dem ersten Kasten sind der Grund, warum das Datum dieses Tages mehr ist als ein Kalendereintrag. Die Zahl entstand nicht in der Generalversammlung, sondern in einer Untersuchung davor. Die von der Weltbank eingesetzte Pearson-Kommission prüfte 1968 und 1969 die Wirksamkeit der bis dahin geleisteten Entwicklungshilfe und empfahl den Richtwert. Die Generalversammlung übernahm ihn und setzte als Zieljahr 1975, spätestens 1980. So beschreiben es die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages.

Fünfeinhalb Jahrzehnte später ist der Richtwert die Ausnahme geblieben. 2024 lag Deutschland unter den Geberländern auf Platz fünf, vor ihm nur Norwegen, Luxemburg, Schweden und Dänemark. Das Ziel selbst verfehlte es trotzdem.

Für einen Tag, der von Information handelt, ist dabei weniger die Quote interessant als ihre Zusammensetzung. In die deutschen 0,67 Prozent sind rund 5,8 Milliarden Euro für die Versorgung und Unterbringung von Flüchtlingen im Inland eingerechnet. Herausgerechnet bleiben 0,54 Prozent. Beide Zahlen sind korrekt, beide stammen vom BMZ, und beide beschreiben dasselbe Jahr. Welche von ihnen in einer Überschrift steht, entscheidet darüber, ob das Ergebnis nach knapp verfehltem Ziel oder nach deutlichem Rückstand aussieht. Genau solche Bezugsgrößen zu benennen, ist der Auftrag, den dieser Tag beschreibt.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz

In Deutschland läuft die Bildungsarbeit über Engagement Global im Auftrag des BMZ. Sichtbarster Baustein ist der Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik, der in der zwölften Runde unter dem Motto „Fakten gecheckt? Verändert die Welt mit eurer Story!“ läuft und unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht. Vergeben werden über 100 Preise im Gesamtwert von mehr als 50.000 Euro, Einsendeschluss ist der 26. Februar 2026. Dazu kommt der Rahmen für den Unterricht: Am 16. Oktober 2025 verabschiedete die Bildungsministerkonferenz der Kultusministerkonferenz den Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung für die gymnasiale Oberstufe, eine gemeinsame Initiative von KMK und BMZ.

In Österreich arbeiten seit 2003 zivilgesellschaftliche und staatliche Bildungseinrichtungen in der Strategiegruppe Globales Lernen zusammen. Aus ihr ging die Strategie Globales Lernen hervor, erstmals 2009 vorgelegt und 2019 aktualisiert. Die Plattform Bildung2030 bündelt das Material, getragen von Baobab, Südwind und Welthaus Graz. Bei den Finanzen liegt Österreich deutlich hinter Deutschland: Der AidWatch-Bericht des Netzwerks Concord weist für 2024 eine ODA-Quote von 0,34 Prozent aus.

In der Schweiz übernimmt éducation21 diese Rolle, das nationale Kompetenzzentrum für Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Fachagentur der Erziehungsdirektorenkonferenz. Das von ihm koordinierte Schulnetz21 umfasst über 2.300 Mitgliedschulen in 23 kantonalen und regionalen Netzwerken, an denen mehr als 450.000 Schülerinnen und Schüler lernen. Die öffentliche Entwicklungshilfe der Schweiz betrug 2024 nach Angaben der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit 4,061 Milliarden Franken, das entspricht einer Quote von 0,49 Prozent.

Was man tun kann

  • Die eigenen Zahlen nachschlagen. BMZ, DEZA und die Austrian Development Agency veröffentlichen ihre ODA-Statistiken offen im Netz. Wer sie einmal gelesen hat, erkennt in Schlagzeilen leichter, welche Bezugsgröße gemeint ist.
  • Unterrichtsmaterial holen. Der Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung ist über das Portal Globales Lernen kostenlos erhältlich, auch in fachbezogenen Teilausgaben.
  • Am Schulwettbewerb teilnehmen. Die laufende Runde nimmt Beiträge bis zum 26. Februar 2026 an.
  • Eine Bildungsstelle ansprechen. Engagement Global in Deutschland, Baobab und Südwind in Österreich, éducation21 in der Schweiz verleihen und vermitteln Material für Schulen und Jugendarbeit.
  • Auf die Fußnote achten. Bei Entwicklungszahlen entscheidet die Abgrenzung: mit oder ohne Flüchtlingskosten im Inland, Zusage oder Auszahlung, laufende oder konstante Preise.

Der Welttag der Information über Entwicklungsfragen hat kein eigenes Motto und keine große Kampagne. Sein Wert liegt im Datum: Es verweist auf den 24. Oktober 1970, an dem aus einer Empfehlung ein Versprechen wurde, und stellt jedes Jahr dieselbe Frage — wie viel davon in der Öffentlichkeit überhaupt ankommt.

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