Internationaler Tag der Betreuung und Unterstützung
Der Internationale Tag der Betreuung und Unterstützung am 29. Oktober geht auf eine UN-Resolution von 2023 zurück. Er nimmt bezahlte und unbezahlte Sorgearbeit in den Blick — und die Menschen, die sie leisten.
| Datum | 29. Oktober 2026 |
|---|---|
| Ausgerufen von | Vereinte Nationen |
| Resolution | A/RES/77/317 |
| Art | Internationaler Aktionstag |
| Tag im Jahr | 302 von 365 |
| Wochentag | Donnerstag |
Der Internationale Tag der Betreuung und Unterstützung fällt 2026 auf Donnerstag, den 29. Oktober. Ausgerufen hat ihn die Generalversammlung der Vereinten Nationen: Sie nahm am 24. Juli 2023 die Resolution A/RES/77/317 ohne Abstimmung an. Der Tag richtet den Blick auf Sorgearbeit in jeder Form — Pflege, Betreuung, Assistenz, Kinderbetreuung — und auf die Menschen, die sie leisten, bezahlt wie unbezahlt. Erstmals begangen wurde er am 29. Oktober 2023. Das Regionale Informationszentrum der Vereinten Nationen führt ihn unter dieser Resolution in seiner Liste der internationalen Tage.
Warum es diesen Tag gibt
Der Anstoß kam nicht aus dem UN-System, sondern aus der Gewerkschaftsbewegung. Der Internationale Gewerkschaftsbund hatte einen solchen Tag rund vier Jahre lang gefordert, um Investitionen in den Pflege- und Betreuungssektor zu beschleunigen. Das DGB-Bildungswerk berichtete 2023 über den ersten offiziellen Termin und zitiert den damaligen amtierenden Generalsekretär Luc Triangle mit dem Satz, die UNO habe den Tag übernommen.
Der Beschluss selbst ist gut dokumentiert. Der Resolutionsentwurf trug die Nummer A/77/L.81 und wurde in der 93. Plenarsitzung der 77. Sitzungsperiode angenommen, ohne Abstimmung. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten führt die Resolution in seiner Übersicht des Schweizer Stimmverhaltens mit dem Datum 24. Juli 2023 und dem Sitzungsprotokoll A/77/PV.93.
Inhaltlich verlangt die Resolution zweierlei: Investitionen in eine widerstandsfähige und inklusive Betreuungswirtschaft und den Aufbau belastbarer Betreuungs- und Unterstützungssysteme. Die Begehung begleiten drei Organisationen gemeinsam: UN Women, das UN-Menschenrechtsbüro und die Internationale Arbeitsorganisation. Das Motto 2025 lautete „Care and Support for all“, also Betreuung und Unterstützung für alle. Der Zusatz nannte die Menschenrechte aller, die Betreuung leisten oder brauchen. Motto und Trägerschaft führen die Vereinten Nationen auf der Seite des Tages.
Worum es geht
Betreuungswirtschaft klingt nach einer Branche, meint aber zwei Dinge auf einmal. Das eine ist bezahlte Arbeit: 381 Millionen Menschen arbeiten weltweit in Betreuungsberufen. Das andere ist unbezahlte Arbeit im Haushalt und in der Familie, die in keiner Lohnstatistik auftaucht. Beide Seiten hängen zusammen. 748 Millionen Menschen stehen wegen Betreuungspflichten außerhalb des Arbeitsmarktes. Beide Kennzahlen nennt die Internationale Arbeitsorganisation.
Wer diese Arbeit übernimmt, ist statistisch eindeutig. In Deutschland betrug der Gender Care Gap 2022 44,3 Prozent: Frauen leisteten täglich eine Stunde und 19 Minuten mehr unbezahlte Arbeit als Männer, rund 30 Wochenstunden gegenüber 21. Zehn Jahre zuvor lag der Abstand bei 52,4 Prozent, er schrumpft also. Die Zahlen stammen aus der Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamtes, das seinen ersten Wert im März 2024 wegen eines Aufbereitungsfehlers nach oben korrigieren musste. Warum dieselbe Verteilung auch die Löhne prägt, führt der Weltfrauentag am 8. März aus.
Die Arbeitsorganisation rechnet vor, was Investitionen bewirken würden: Verdoppelte man die Ausgaben für Bildung, Gesundheit und Sozialwesen bis 2030, entstünden rund 269 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze. Genau dieser Zusammenhang steht hinter dem Wort Betreuungswirtschaft in der Resolution.
Vier Termine, die regelmäßig verwechselt werden
Im deutschen Sprachraum gibt es mehrere Tage rund um Pflege und Betreuung, und sie meinen nicht dasselbe. Wer sie auseinanderhält, versteht auch, was am 29. Oktober neu ist.
Der 12. Mai ist der Internationale Tag der Pflegenden. Ihn richtet der Weltbund der Krankenpflegeverbände aus, seit 1974 am Geburtstag von Florence Nightingale. Er gilt einer Berufsgruppe: den beruflich Pflegenden. Der 6. Oktober ist der Europäische Tag der pflegenden Angehörigen. Das europäische Netzwerk Eurocarers rief ihn 2020 zum ersten Mal aus. Er gilt der Gegenseite: den Angehörigen, die zu Hause pflegen, meist ohne Ausbildung und ohne Lohn.
Der Equal Care Day ist der einzige der vier mit einem Datumswitz. Almut Schnerring und Sascha Verlan gründeten die Initiative 2016 und legten den Aktionstag auf den 29. Februar. Das Datum ist das Argument. Der Schalttag wird in drei von vier Jahren übergangen, genau wie Sorgearbeit. So erklärt es das DGB-Projekt „Was verdient die Frau?“ auf seiner Seite zum Aktionstag. Dahinter steht eine Rechnung: Männer bräuchten nach Darstellung der Heinrich-Böll-Stiftung vier Jahre, um so viel unbezahlte Sorgearbeit zu leisten wie Frauen in einem. In den übrigen Jahren wird der Tag am 1. März begangen.
Der 29. Oktober ist der einzige der vier, der von den Vereinten Nationen kommt. Er ist auch der einzige, der beide Seiten zusammen adressiert: die, die Betreuung leisten, und die, die sie brauchen. Das ist keine Wortklauberei, sondern der Grund, warum es ihn zusätzlich gibt.
Eine Unschärfe bleibt trotzdem, und sie betrifft den Namen selbst. Deutsch ist keine Amtssprache der Vereinten Nationen, einen amtlichen deutschen Titel gibt es also nicht. Das UN-Regionalzentrum in Brüssel schreibt „Internationaler Tag der Betreuung und Unterstützung“. Das DGB-Bildungswerk und der Internationale Gewerkschaftsbund schreiben „Internationaler Tag der Pflege und Betreuung“. Andere Quellen sprechen von „Care und Assistenz“. Gemeint ist in allen Fällen derselbe Tag und dieselbe Resolution. Maßgeblich ist hier die Fassung des UN-Regionalzentrums.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz
In Deutschland waren Ende 2023 rund 5,7 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes, 730.000 mehr als zwei Jahre zuvor. 61 Prozent waren Frauen, 78 Prozent mindestens 65 Jahre alt. Vollstationär versorgt wurden 800.000, also ein Siebtel. In den Pflegeheimen arbeiteten 2023 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 817.711 Personen, in ambulanten Diensten 446.425. Die Pflegevorausberechnung von 2023 rechnet in zwei Varianten. Bleiben die Pflegequoten konstant, sind es 5,6 Millionen Pflegebedürftige im Jahr 2035 und 6,8 Millionen im Jahr 2055. Wirken die Einführungseffekte des erweiterten Pflegebegriffs weiter, sind es 6,3 und 7,6 Millionen. Beide Varianten gehen von 5,0 Millionen Ende 2021 aus. Zwei Jahre später waren es bereits 5,7 Millionen. Dass diese Kurve vor allem eine Altersfrage ist, zeigt der Internationale Tag der älteren Menschen am 1. Oktober von der anderen Seite. Eigene Veranstaltungen zum 29. Oktober sind für Deutschland nicht dokumentiert.
In Österreich bezogen im Jahresdurchschnitt 2025 501.237 Personen Pflegegeld, 2,3 Prozent mehr als im Jahr davor. Der Bund gab dafür 3,63 Milliarden Euro aus, im Schnitt 604 Euro je Bezieherin oder Bezieher und Monat. Die Werte stammen von Statistik Austria. Mit der deutschen Zahl lässt sich das nicht verrechnen: Deutschland zählt Pflegebedürftige, Österreich Geldleistungen nach sieben Stufen. Wie viele Menschen dahinter privat pflegen, schätzte die Studie Angehörigenpflege in Österreich des Sozialministeriums 2018 auf rund 950.000 Erwachsene.
Die Schweiz ist das einzige Land im deutschen Sprachraum mit einer eigenen Begehung. Der Verein GrossmütterRevolution begeht den 29. Oktober als Internationalen CareTag und ruft Organisationen und Einzelpersonen zu kreativen Aktionen auf, unter der Losung „Ohne Care steht alles still!“. Die Größenordnung beziffert das Bundesamt für Statistik. 2020 wurden in der Schweiz 9,8 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit geleistet. Das ist mehr als die 7,6 Milliarden Stunden bezahlter Arbeit. In Geld ausgedrückt entspricht das 434 Milliarden Franken, davon 82 Milliarden allein für Betreuungsaufgaben.
Eine Gruppe fällt in allen drei Ländern durch dieselbe Lücke. Wer zu Hause einen Menschen mit Demenz betreut, gilt weder als Pflegefachkraft noch als Patient und taucht in keiner der genannten Statistiken als eigener Posten auf. Der Welt-Alzheimertag am 21. September nimmt genau diese Situation in den Blick.
Was man an diesem Tag tun kann
- Die vier Termine auseinanderhalten. 12. Mai für die Pflegeberufe, 6. Oktober für die pflegenden Angehörigen, Equal Care Day für die Verteilung, 29. Oktober für das System als Ganzes. Wer den falschen Tag nennt, spricht über die falsche Gruppe.
- Die 3,1 Millionen richtig lesen. Das ist die Zahl der Pflegebedürftigen mit reinem Pflegegeldbezug, nicht die Zahl der pflegenden Angehörigen. Eine pflegebedürftige Person wird oft von mehreren Menschen versorgt.
- Die eigenen unbezahlten Stunden einmal zählen. Der Gender Care Gap ist ein Durchschnitt über alle Haushalte. Er sagt über den einzelnen Haushalt nichts, gibt der Frage aber einen Maßstab.
- Beratungsstellen kennen, bevor man sie braucht. In Deutschland beraten Pflegestützpunkte kostenfrei und unabhängig von der Kasse. In Österreich läuft die Beratung über das Sozialministerium, in der Schweiz über die kantonalen Anlaufstellen.
- Nach Zahlen fragen, nicht nach Anerkennung. Der Tag ist als wirtschaftspolitischer Termin gedacht. Wer ihn nutzt, kommt mit Personalschlüsseln, Löhnen und Investitionsquoten weiter als mit Dank.
Der Internationale Tag der Betreuung und Unterstützung ist einer der jüngsten Gedenktage der Vereinten Nationen. Sein Ursprung ist ungewöhnlich: Er kommt aus einer Gewerkschaftsforderung, nicht aus einer Fachkonferenz. Das erklärt seinen Zuschnitt. Er behandelt Sorgearbeit als Teil der Wirtschaft und nicht als Privatsache. Die übrigen Termine des Monats stehen im Kalender für Oktober.
- Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen: Internationale Tage
- Vereinte Nationen: International Day of Care and Support
- EDA: Stimmverhalten der Schweiz in der 77. UN-Generalversammlung, Resolution 77/317
- DGB-Bildungswerk: erster Internationaler Tag der Pflege und Betreuung
- Internationale Arbeitsorganisation: 2,3 Milliarden Betreuungsbedürftige bis 2030
- Internationale Arbeitsorganisation: Kennzahlen zur Betreuungswirtschaft
- Statistisches Bundesamt: Gender Care Gap 2022, korrigierte Werte
- Statistisches Bundesamt: 5,7 Millionen Pflegebedürftige zum Jahresende 2023
- Statistisches Bundesamt: Personal in Pflegeheimen und ambulanten Diensten
- Statistisches Bundesamt: Pflegevorausberechnung bis 2055
- Statistik Austria: Bundespflegegeld 2025
- Sozialministerium Österreich: Angehörigenpflege in Österreich
- Bundesamt für Statistik: 2020 war unbezahlte Arbeit 434 Milliarden Franken wert
- GrossmütterRevolution: Internationaler CareTag
- Equal Care Day: Gründung 2016 durch Almut Schnerring und Sascha Verlan
- DGB-Projekt „Was verdient die Frau?“: warum der Equal Care Day auf den Schalttag fällt
- Heinrich-Böll-Stiftung: die Vier-Jahre-Rechnung hinter dem Equal Care Day
- Eurocarers: erster Europäischer Tag der pflegenden Angehörigen 2020