Tag der Vereinten Nationen
Der 24. Oktober erinnert an das Inkrafttreten der Charta der Vereinten Nationen im Jahr 1945. Ausgerufen hat den Tag die Generalversammlung 1947; 1971 empfahl sie, ihn zum gesetzlichen Feiertag zu machen.
| Datum | 24. Oktober 2026 |
|---|---|
| Ausgerufen von | Vereinte Nationen |
| Resolution | A/RES/168 (II) |
| Art | Internationaler Aktionstag |
| Tag im Jahr | 297 von 365 |
| Wochentag | Samstag |
Der Tag der Vereinten Nationen fällt jedes Jahr auf den 24. Oktober, 2026 also auf einen Samstag. Er erinnert an das Inkrafttreten der Charta der Vereinten Nationen am 24. Oktober 1945. Ausgerufen hat ihn die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der Resolution 168 (II) vom 31. Oktober 1947. Das Regionale Informationszentrum der Vereinten Nationen führt den Tag unter zwei Beschlüssen: A/RES/168 (II) und A/RES/2782 (XXVI). Der zweite ist der ungewöhnliche. Mit ihm empfahl die Generalversammlung 1971 allen Mitgliedstaaten, den 24. Oktober als gesetzlichen Feiertag zu begehen.
Warum es diesen Tag gibt
Der Anlass ist ein Datum, aber nicht das der Unterschrift. Unterzeichnet wurde die Charta am 26. Juni 1945 in San Francisco, von 50 Staaten. Polen war bei der Konferenz nicht vertreten und unterschrieb später, zählt aber zu den 51 Gründungsmitgliedern. So beschreibt es die Bundeszentrale für politische Bildung.
Wirksam wurde die Charta erst vier Monate danach. Dafür mussten China, Frankreich, die Sowjetunion, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten ratifizieren, dazu die Mehrheit der übrigen Unterzeichner. Mit der Hinterlegung dieser Urkunden am 24. Oktober 1945 gab es die Organisation. Genau darauf datieren die Vereinten Nationen ihren Beginn. Der Gedenktag erinnert also nicht an eine Gründungsfeier, sondern an den Moment, in dem ein Vertrag verbindlich wurde.
Den Tag selbst beschloss die Generalversammlung zwei Jahre später. Die Resolution 168 (II) vom 31. Oktober 1947 bestimmte, dass der 24. Oktober dazu dienen soll, den Menschen weltweit die Ziele und die Leistungen der Organisation bekannt zu machen. Am 6. Dezember 1971 kam die Resolution 2782 (XXVI) dazu, die den Termin zum internationalen Gedenk- und Feiertag erklärte.
Auf dasselbe Datum fällt ein zweiter von der Generalversammlung ausgerufener Tag, und das ist Absicht. Mit der Resolution 3038 (XXVII) vom 19. Dezember 1972 rief sie den Welttag der Information über Entwicklungsfragen aus und legte ihn ausdrücklich auf den 24. Oktober. Der Grund: An diesem Tag war 1970 die Internationale Entwicklungsstrategie für die Zweite Entwicklungsdekade angenommen worden. Wer am 24. Oktober zwei Einträge im Kalender findet, sieht also keinen Fehler, sondern einen Beschluss.
Worum es geht
Der Auftrag aus dem Beschluss von 1947 ist eng gefasst. Es geht nicht um ein Thema wie Wasser, Gesundheit oder Bildung, sondern um die Organisation selbst, also darum, was sie will und was sie erreicht hat. Das macht diesen Tag zum einzigen im Kalender, dessen Gegenstand der Absender ist.
Das System dahinter ist größer als die Generalversammlung. Zu den Vereinten Nationen gehören Sonderorganisationen mit eigener Geschichte, und manche sind älter als die Charta. Der Weltpostverein besteht seit 1874 und wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg in das System eingegliedert; er hat einen eigenen Termin, den Tag des Weltpostvereins am 9. Oktober. Andere Tage gehen unmittelbar auf Beschlüsse der Generalversammlung zurück, etwa der Welttag des Wohn- und Siedlungswesens am ersten Montag im Oktober, ausgerufen 1985 mit der Resolution 40/202 A.
Für die drei deutschsprachigen Länder ist der Tag deshalb auch eine Bilanz der eigenen Mitgliedschaft. Sie sind zu sehr unterschiedlichen Zeitpunkten beigetreten, und alle drei beherbergen heute Einrichtungen der Organisation.
Ein Feiertag, den fast niemand eingeführt hat
Die Resolution 2782 (XXVI) ist der interessanteste Teil dieses Tages, weil sie sichtbar ins Leere lief. Die Generalversammlung empfahl 1971 allen Mitgliedstaaten, den 24. Oktober arbeitsfrei zu stellen. Mehr als fünfzig Jahre später ist er im deutschen Sprachraum nirgends ein gesetzlicher Feiertag. Weder in Deutschland noch in Österreich noch in der Schweiz steht der 24. Oktober auf einer Feiertagsliste.
Das liegt an der Bauart des Beschlusses. Artikel 10 der Charta gibt der Generalversammlung das Recht, alle Fragen im Rahmen der Charta zu erörtern und dazu Empfehlungen an die Mitglieder oder den Sicherheitsrat zu richten. Der Wortlaut steht bei der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Empfehlen ist nicht anordnen. Anders als Beschlüsse des Sicherheitsrats binden Resolutionen der Generalversammlung die Mitgliedstaaten nicht.
Dazu kommt, dass die Empfehlung Ebenen adressiert, die es so gar nicht gibt. In Deutschland entscheiden über gesetzliche Feiertage die Länder, in der Schweiz die Kantone. Eine Empfehlung aus New York erreicht dort niemanden, der sie umsetzen könnte, ohne dass sechzehn beziehungsweise sechsundzwanzig Parlamente dasselbe beschließen.
Wirkung hat der Tag trotzdem, nur eine andere als vorgesehen: als Anlass für Veranstaltungen, Führungen und Bildungsarbeit. Genau das war der Auftrag von 1947 – bekannt machen, nicht freigeben.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz
In Deutschland hat der Tag einen festen Ort. Beide deutsche Staaten traten den Vereinten Nationen am 18. September 1973 bei, auf derselben Generalversammlung in New York. Heute arbeiten nach Angaben der Bundesstadt Bonn 27 Organisationen der Vereinten Nationen mit etwa 1.200 Mitarbeitenden in der Stadt. Das Auswärtige Amt nennt für den UN-Campus knapp 1.000 Beschäftigte. Bei der Zahl der Einrichtungen stimmen beide überein, bei der Zahl der Beschäftigten nicht. Bonn begeht den Tag der Vereinten Nationen als Bürgerfest auf dem Markt vor dem Alten Rathaus. 2026 findet es am Samstag, dem 10. Oktober, von 11 bis 16 Uhr statt, also zwei Wochen vor dem eigentlichen Datum.
In Österreich beginnt die Mitgliedschaft am 14. Dezember 1955. Wien ist seit 1980 einer der vier Amtssitze der Organisation, neben New York, Genf und Nairobi. Das Außenministerium führt außerdem drei österreichische Mitgliedschaften im Sicherheitsrat auf. Mit Kurt Waldheim stellte das Land von 1972 bis 1981 den Generalsekretär. Das Internationale Zentrum Wien wurde am 23. August 1979 eröffnet. Die Republik überließ es den Vereinten Nationen und der Internationalen Atomenergie-Organisation für eine symbolische Jahresmiete von einem Schilling, heute 0,07 Euro, auf 99 Jahre. Die Baukosten trugen der Bund zu 65 Prozent und die Stadt Wien zu 35 Prozent; der Entwurf des Architekten Johann Staber setzte sich gegen 288 Einsendungen durch. Die Angaben stammen vom Büro der Vereinten Nationen in Wien.
Die Schweiz ist der späteste Beitritt der drei und der einzige, über den eine Bevölkerung abgestimmt hat. 1986 lehnte sie den Beitritt an der Urne ab. Am 3. März 2002 nahm sie die entsprechende Volksinitiative mit 54,6 Prozent der Stimmen und dem Ständemehr an, am 10. September 2002 nahm die Generalversammlung die Schweiz auf. So schildert es das Historische Lexikon der Schweiz. Standort war Genf lange vorher: Der Völkerbundpalast ging an die Vereinten Nationen über und ist seither ihr europäischer Sitz. Vor dem Palais des Nations wehen die Fahnen aller 193 Mitgliedstaaten entlang der Allée des drapeaux.
Was man an diesem Tag tun kann
- Zum Bürgerfest nach Bonn. Die Stadt lädt jedes Jahr im Oktober auf den Markt, mit Ständen internationaler Organisationen, Bühnenprogramm und Angeboten für Kinder. Der Eintritt kostet nichts.
- Das Internationale Zentrum Wien besichtigen. Führungen gibt es seit der Eröffnung 1979, und betreten lässt sich das Gelände nur mit einer solchen Führung. Ab 18 Jahren braucht es einen gültigen Lichtbildausweis. Der Besucherdienst ist an Wochenenden geschlossen – 2026 fällt der 24. Oktober auf einen Samstag, der Besuch muss also auf einen Werktag gelegt werden.
- Das Palais des Nations in Genf ansehen. Der frühere Völkerbundpalast ist der europäische Sitz der Organisation und für Führungen zugänglich.
- Den zweiten Tag desselben Datums kennen. Der Welttag der Information über Entwicklungsfragen teilt sich den 24. Oktober mit diesem Tag, und zwar per Beschluss von 1972.
- Die beiden Resolutionen nachlesen. A/RES/168 (II) erklärt, wofür der Tag da ist, A/RES/2782 (XXVI), was aus ihm werden sollte. Beide sind kurz.
Der Tag der Vereinten Nationen ist ein Jahrestag mit einer ungewöhnlich klaren Herkunft: ein Vertrag, der an einem bestimmten Tag verbindlich wurde. Was die Generalversammlung 1971 daraus machen wollte, einen arbeitsfreien Tag in allen Mitgliedstaaten, ist nie eingetreten und zeigt gut, wo ihre Beschlüsse enden. Geblieben ist der Auftrag von 1947. Die übrigen Termine des Monats stehen im Kalender für Oktober.
- Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen: Internationale Tage mit Resolutionsnummern
- Vereinte Nationen: United Nations Day
- Vereinte Nationen: Geschichte und Inkrafttreten der Charta am 24. Oktober 1945
- Vereinte Nationen: Mitgliedstaaten und Aufnahmedaten
- Bundeszentrale für politische Bildung: Unterzeichnung der Charta am 26. Juni 1945
- Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Charta der Vereinten Nationen, Artikel 10
- Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen: Rolle Deutschlands bei der Finanzierung
- Auswärtiges Amt: Die Vereinten Nationen in Bonn
- Bundesstadt Bonn: UN-Organisationen in Bonn
- Bundesstadt Bonn: Tag der Vereinten Nationen am 10. Oktober 2026
- Außenministerium Österreich: Österreich und die Vereinten Nationen
- Büro der Vereinten Nationen in Wien: Geschichte des Internationalen Zentrums Wien
- Informationsdienst der Vereinten Nationen Wien: Besucherdienst und Führungen
- Historisches Lexikon der Schweiz: Vereinte Nationen und der Beitritt der Schweiz
- Eidgenössisches Departement für auswärtige Angelegenheiten: Die Schweiz und die UNO