Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut
Am 17. Oktober erinnern die Vereinten Nationen an die Beseitigung der Armut. Der Termin geht auf eine Versammlung von 100.000 Menschen in Paris im Jahr 1987 zurück, fünf Jahre vor der Resolution.
| Datum | 17. Oktober 2026 |
|---|---|
| Ausgerufen von | Vereinte Nationen |
| Resolution | A/RES/47/196 |
| Art | Internationaler Aktionstag |
| Tag im Jahr | 290 von 365 |
| Wochentag | Samstag |
Der Internationale Tag für die Beseitigung der Armut wird jedes Jahr am 17. Oktober begangen, 2026 also an einem Samstag. Ausgerufen hat ihn die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 22. Dezember 1992 mit der Resolution A/RES/47/196. Der Termin ist älter als der Beschluss: Er kommt aus der Zivilgesellschaft, und die Resolution hält das ausdrücklich fest. Im deutschsprachigen Raum läuft derselbe Tag auch unter Welttag zur Überwindung der Armut oder Internationaler Tag gegen Armut – gemeint ist immer der 17. Oktober.
Warum es diesen Tag gibt
Am 17. Oktober 1987 versammelten sich auf dem Pariser Trocadéro rund 100.000 Menschen. Eingeladen hatte Joseph Wresinski, ein französischer Priester und Gründer der Bewegung ATD Vierte Welt. Der Ort war kein Zufall: Auf dem Vorplatz jenes Gebäudes wurde 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet.
Enthüllt wurde an diesem Tag eine Marmorplatte zu Ehren der Opfer von Hunger, Unwissenheit und Gewalt. Ihre Inschrift ist der Kern des ganzen Tages. Sie beginnt mit dem Satz: „Wo immer Menschen dazu verurteilt sind, im Elend zu leben, werden die Menschenrechte verletzt“. Damit ist Armut kein Unglück und keine Frage der Wohltätigkeit, sondern ein Rechtsbruch. Es ist derselbe Gedanke, der auch dem Tag der Menschenrechte am 10. Dezember zugrunde liegt.
Fünf Jahre später zog die Generalversammlung nach. In ihrer Resolution vom 22. Dezember 1992 zeigt sie sich erfreut darüber, dass mehrere Nichtregierungsorganisationen auf Initiative von ATD Vierte Welt den Tag bereits in zahlreichen Ländern begehen. Die Vereinten Nationen haben diesen Gedenktag also nicht erfunden. Sie haben einen übernommen, den es schon gab.
Worum es geht
Armut wird auf zwei grundsätzlich verschiedene Arten gemessen, und die beiden Zahlen sind nicht dieselbe Zahl.
Die Weltbank misst absolut: Wer weniger als einen festen Betrag pro Tag zur Verfügung hat, gilt als extrem arm. Die Europäische Union misst relativ. Als armutsgefährdet gilt hier, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Äquivalenzeinkommens seines Landes verfügt. Die Schwelle hängt damit an den anderen, nicht an einem Warenkorb.
Das hat eine Folge, die im Alltag der Berichterstattung untergeht: Die europäische Quote misst Abstand, nicht Entbehrung. Steigen die mittleren Einkommen, steigt die Schwelle mit – und die Quote kann wachsen, ohne dass ein Haushalt weniger im Portemonnaie hat. Genau deshalb erheben die Statistikämter neben der Einkommensquote noch die erhebliche materielle und soziale Benachteiligung, also das Fehlen konkreter Dinge wie einer warmen Wohnung oder einer unerwarteten Ausgabe von wenigen Hundert Euro.
Als 125 Millionen Menschen an einem Tag arm wurden
Im Juni 2025 stieg die Zahl der extrem armen Menschen weltweit sprunghaft an. Für das Jahr 2022 waren zuvor 713 Millionen ausgewiesen; danach waren es 838 Millionen. Die globale Quote wurde von 9,0 auf 10,5 Prozent nach oben korrigiert.
Ärmer geworden ist an diesem Tag niemand. Verändert hat sich das Lineal. Die Weltbank stellte auf die Kaufkraftparitäten von 2021 um und setzte die internationale Armutsgrenze neu an: 3,00 US-Dollar pro Tag statt zuvor 2,15 Dollar in Preisen von 2017. Dazu kamen neue Haushaltsdaten, vor allem aus Indien. Die Institution selbst nennt diese drei Gründe nebeneinander.
Daraus folgt eine Lesehilfe für jede Armutsmeldung. Eine Armutszahl ohne die dazugehörige Linie und ohne das Basisjahr ist nicht vergleichbar. Wer zwei solche Zahlen nebeneinanderstellt, vergleicht oft Methoden und nicht Lebenslagen. Das gilt im Kleinen auch innerhalb des deutschsprachigen Raums, wie der nächste Abschnitt zeigt.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz
In Deutschland weist das Statistische Bundesamt für 2025 neben der Einkommensquote von 16,1 Prozent eine zweite Zahl aus: 21,2 Prozent oder rund 17,6 Millionen Menschen gelten als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Die Belastung ist sehr ungleich verteilt. Bei Erwerbslosen liegt die Armutsgefährdungsquote bei 64,9 Prozent, bei Alleinlebenden bei 30,9 Prozent, bei Alleinerziehenden bei 28,7 Prozent und bei Rentnerinnen und Rentnern bei 19,1 Prozent.
Getragen wird der Tag hier von der Nationalen Armutskonferenz, die im Herbst 1991 als deutsche Sektion des Europäischen Armutsnetzwerks EAPN gegründet wurde. Zum 17. Oktober 2024 forderte sie gemeinsam mit der Diakonie Deutschland, die Wohnkostenlücke in der Existenzsicherung zu schließen – ein Thema, das sich mit dem Welttag des Wohn- und Siedlungswesens Anfang Oktober berührt. Ihr eigenes Format ist das Treffen der Menschen mit Armutserfahrung: Die 18. Ausgabe fand vom 6. bis 8. November 2025 in Berlin mit rund 100 Teilnehmenden statt und endete mit einer öffentlichen Aktion am Alexanderplatz.
In Österreich waren 2025 nach Angaben der Statistik Austria 18,6 Prozent der Bevölkerung in Privathaushalten armuts- oder ausgrenzungsgefährdet, also rund 1,6 Millionen Menschen. Die Armutsgefährdungsschwelle lag bei 1.827 Euro im Monat für einen Einpersonenhaushalt, 2,9 Prozent waren erheblich materiell und sozial benachteiligt.
Die Aktionen bündelt Die Armutskonferenz, ein Netzwerk von mehr als 40 sozialen Organisationen sowie Bildungs- und Forschungseinrichtungen, das seit 1995 besteht. Rund um den 17. Oktober ruft sie zu österreichweiten Aktionstagen auf, in den vergangenen Jahren unter dem Motto „Es reicht! Für alle!“. Ihre Aussendung zum Tag 2025 stellt die Prävention in den Mittelpunkt und beziffert die Wirkung des Sozialstaats: Sozialleistungen senken die Armutsgefährdung von 43 Prozent auf rund 15 Prozent.
Die Schweiz zählt anders, und das ist der Grund, warum ihre Quote so viel niedriger aussieht. Das Bundesamt für Statistik misst nicht relativ, sondern absolut, entlang der Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe. 2024 waren danach 8,4 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung in Privathaushalten von Einkommensarmut betroffen, rund 743.000 Personen. Die Armutsgrenze lag im Mittel bei 2.388 Franken pro Monat für eine Einzelperson und bei 4.159 Franken für zwei Erwachsene mit zwei Kindern. Arm trotz Arbeit waren 4,3 Prozent der Erwerbstätigen, etwa 175.000 Menschen. Nach einem beinahe durchgehenden Anstieg von 6,7 Prozent im Jahr 2014 auf 8,7 Prozent im Jahr 2019 verharrt die Quote auf diesem höheren Niveau.
Die Bewegung, die den Tag begründet hat, ist auch hier vertreten. ATD Vierte Welt Schweiz besteht seit 1965, hat Teams in Basel, Freiburg, Genf und der Ostschweiz in Rorschach und unterhält sein nationales Zentrum in Treyvaux bei Freiburg.
Was man an diesem Tag tun kann
- Bei jeder Armutszahl die Linie mitlesen. Absolut oder relativ, welches Basisjahr, welches Land – ohne diese drei Angaben sagt eine Prozentzahl wenig. Die 8,4 Prozent der Schweiz und die 16,1 Prozent Deutschlands messen nicht dasselbe.
- Den 17. nicht mit dem 16. Oktober verwechseln. Am Tag davor steht der Welternährungstag der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation im Kalender. Hunger und Armut hängen zusammen, sind aber zwei Termine mit zwei Trägern.
- Vor Ort andocken. Nationale Armutskonferenz in Deutschland, Die Armutskonferenz in Österreich, ATD Vierte Welt in der Schweiz – das sind die drei Adressen, über die an diesem Tag etwas stattfindet.
- Betroffene selbst sprechen lassen. Das ist seit 1987 das Verfahren dieses Tages und nicht seine Verzierung: Auf dem Trocadéro standen die Menschen im Elend nicht als Fallzahl, sondern als Zeugen.
Der 17. Oktober ist ein fester Termin und wandert nur über die Wochentage. Er ist der unbequemste Gedenktag des Monats, weil er nicht um Spenden bittet, sondern um eine Einordnung: Armut als verletztes Recht. Die übrigen Termine des Monats stehen im Kalender für Oktober.
- Weltbank: Aktualisierung der globalen Armutsgrenzen, Juni 2025, neue Linie von 3,00 US-Dollar und 838 Millionen Menschen
- Statistisches Bundesamt: 16,1 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind armutsgefährdet, Pressemitteilung vom 3. Februar 2026
- Statistik Austria: Armut und soziale Eingliederung, EU-SILC 2025
- Bundesamt für Statistik: Armut in der Schweiz 2024, Armutsgrenze nach den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe
- Resolution A/RES/47/196 vom 22. Dezember 1992 und Entstehung des Tages
- ATD Vierte Welt: Welttag zur Überwindung der Armut, Inschrift des Gedenksteins
- ATD Vierte Welt Schweiz: Gründung 1965, Teams und nationales Zentrum
- Nationale Armutskonferenz: Gründung 1991, deutsche Sektion des EAPN, Treffen der Menschen mit Armutserfahrung
- Nationale Armutskonferenz und Diakonie Deutschland: Forderung zum 17. Oktober 2024
- Die Armutskonferenz: Netzwerk seit 1995, Aktionstage rund um den 17. Oktober
- Die Armutskonferenz: Aussendung zum UN-Tag gegen Armut 2025, Wirkung der Sozialleistungen
- Bundeszentrale für politische Bildung: 17. Oktober, Internationaler Tag für die Beseitigung der Armut