Reformationstag

Der 31. Oktober erinnert an den Beginn der Reformation 1517 und ist in neun Bundesländern gesetzlicher Feiertag. Ausgerufen hat ihn keine Organisation: Zum festen Gedenktag machte ihn 1667 der Erlass eines sächsischen Kurfürsten.

Titelkarte: Reformationstag, 31. Oktober
Auf einen Blick
Datum31. Oktober 2026
Ausgerufen vonnicht dokumentiert
ArtGesetzlicher Feiertag
Tag im Jahr304 von 365
WochentagSamstag

Der Reformationstag wird am 31. Oktober begangen, 2026 also an einem Samstag. Er erinnert an den Beginn der Reformation im Jahr 1517 und ist in neun der sechzehn deutschen Bundesländer gesetzlicher Feiertag. Ausgerufen hat ihn keine Organisation: Für den Reformationstag ist keine offizielle Ausrufung durch eine Organisation dokumentiert. Zum festen Gedenktag gemacht hat ihn 1667 der Erlass eines sächsischen Kurfürsten; geregelt ist er heute im Feiertagsrecht der Länder. Damit gehört er zu den Terminen, hinter denen kein Verband und kein Gremium steht. Beim Erntedankfest ist es ähnlich: Auch dort hat niemand etwas ausgerufen, und den Termin regeln allein die Kirchen.

Die Zahl
17,4 Millionen
So viele Menschen gehörten am 31. Dezember 2025 einer der 20 Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland an. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang um rund 3,2 Prozent, nach Angaben der Kirche „bedingt durch Sterbefälle und Austritte“: rund 330.000 Sterbefälle und rund 350.000 Austritte standen rund 105.000 Taufen und rund 16.000 Aufnahmen gegenüber. Die Werte sind vorläufige Meldungen der Landeskirchen. Quelle: Evangelische Kirche in Deutschland, Mitgliedszahlen für das Jahr 2025, veröffentlicht am 16. März 2026.

Warum es den Reformationstag gibt

Für den 31. Oktober 1517 ist ein Brief belegt. Luther wandte sich an diesem Tag an seine kirchlichen Vorgesetzten und legte 95 lateinische Thesen zu Buße und Ablass bei. Das Schreiben ging an Erzbischof Albrecht von Brandenburg und ist erhalten; adressiert war es nach Darstellung der Bundeszentrale für politische Bildung an den „für diesen Kirchensprengel zuständigen Erzbischof“. Aus diesem Datum wurde später das Merkzeichen für den Beginn der Reformation.

Ein einheitlicher Gedenktag war das lange nicht. „In den einzelnen Landeskirchen wurde der Feiertag je nach dem Termin der Einführung der Reformation zu verschiedenen Zeiten gefeiert“, hält die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck fest. Vereinheitlicht wurde der Termin von der weltlichen Seite: Nach Darstellung derselben Landeskirche bestimmte Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen 1667 den Tag des Thesenanschlags zum Reformationstag, und diese Festlegung setzte sich allgemein durch. Es war der Erlass eines Landesherrn, kein Kirchenbeschluss. Ausgerufen hat den Tag deshalb keine Organisation.

Zwei jüngere Daten erklären die heutige Landkarte. 2017, im 500. Jahr der Reformation, war der 31. Oktober einmalig in ganz Deutschland arbeitsfrei. Das Jubiläum gab den Anstoß dafür, dass Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein den Tag 2018 dauerhaft zum gesetzlichen Feiertag erklärten. Begründet wurde das nicht mit dem Kirchenjahr, sondern mit dem Feiertagsgefälle zwischen Nord- und Süddeutschland. Die vier Länder hatten bis dahin spürbar weniger gesetzliche Feiertage als Bayern oder Baden-Württemberg, wie das Sonntagsblatt die Begründung zusammenfasst.

Worum es geht: Ablass, Buße und eine Streitschrift

Die 95 Thesen sind kein Manifest, sondern eine akademische Streitschrift auf Latein, gedacht für eine Disputation unter Gelehrten. Ihr Gegenstand ist der Ablass, also die Vorstellung, zeitliche Sündenstrafen ließen sich gegen eine Zahlung erlassen. Luther bestritt, dass die Kirche über diese Strafen frei verfügen könne. Die erste These verlangt, das ganze Leben der Gläubigen solle Buße sein, kein Akt, den man kauft und abhakt.

Aus dem Streit über eine Zahlung wurde in wenigen Jahren ein Streit über Autorität. Es ging um die Auslegung der Bibel, um die Sprache, in der sie gelesen wird, und darum, wer als Priester gilt. Der Reformationstag erinnert an diesen Anfang, nicht an ein Ergebnis, und ein Siegestag über die katholische Kirche ist er nicht.

Die Zahl
241.928
So viele Evangelische zählt Österreich nach eigener Zählung für 2025. Die Kirche selbst veröffentlicht diese Gesamtzahl und schlüsselt sie auf: 229.954 evangelisch A. B. in 190 Gemeinden, 10.474 evangelisch H. B. in 9 Gemeinden und rund 1.500 evangelisch-methodistisch. Sie ordnet das auch ein: „Unter den rund 9 Millionen Einwohnern Österreichs stellen die Evangelischen einen Bevölkerungsanteil von knapp 3 Prozent.“ Am dichtesten ist die Verteilung im Burgenland mit rund 10 Prozent. Quelle: Evangelische Kirche in Österreich, Zahlen und Fakten, Stand 2025.

Was am Thesenanschlag belegt ist und was nicht

Das Bild vom Hammer an der Tür der Wittenberger Schlosskirche gehört zu den bekanntesten der deutschen Geschichte. Ein Augenzeugenbericht steht nicht dahinter. Angezweifelt hat die Szene zuerst der katholische Kirchenhistoriker Erwin Iserloh. Er wies 1962 in einem Aufsatz darauf hin, „dass es keine zeitgenössischen Zeugnisse gebe“, wie die Bundeszentrale für politische Bildung seine These wiedergibt.

Die bekannte Fassung stammt von Philipp Melanchthon, der die Szene in einer Vorrede zu Luthers Werken schilderte. Er legte sie auf eine bestimmte Tür fest, die der Schlosskirche. Gesehen haben kann er sie nicht: „der Mann weilte erst seit August 1518 in Wittenberg“, schreibt die Bundeszentrale. Melanchthons Bericht erschien 1546, kurz nach Luthers Tod. Luther selbst erwähnt den Anschlag nach Darstellung der Bundeszentrale in keiner seiner Schriften.

2006 kam eine ältere Spur dazu. Martin Treu von der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt fand in der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena eine handschriftliche Notiz von Georg Rörer, Luthers Sekretär. Sie hält fest, am Vorabend des Allerheiligenfestes 1517 seien Thesen über den Ablass an die Türen der Wittenberger Kirchen angeschlagen worden. Sie steht in einem Band der Bibelrevision von 1540 und stammt nach Darstellung von luther2017.de noch aus Luthers Lebzeiten. Sie nennt Türen im Plural, nicht die eine berühmte Tür.

Bewertet wird dieser Fund unterschiedlich, und beide Seiten gehören zur Antwort. Auf luther2017.de heißt es: „ein letzter Beweis für den Thesenanschlag ist damit nicht erbracht, allerdings wird er mit der Notiz Rörers doch sehr viel wahrscheinlicher“. Die Bundeszentrale für politische Bildung bleibt zurückhaltender: „Es bleibt dabei: sehr wahrscheinlich Legendenbildung – nur von einer posthumen Legendenbildung darf man wohl nicht mehr sprechen“. Ganz ohne Quelle sind in beiden Lesarten der Hammer und die eine Tür der Schlosskirche, auf die Melanchthon die Szene festlegte.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz

Beim Feiertag Ende Oktober und Anfang November teilt sich Deutschland in drei Gruppen:

  • Gesetzlicher Feiertag in neun Ländern: Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.
  • Stattdessen Allerheiligen am 1. November in fünf Ländern: Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.
  • Keiner der beiden Tage in zwei Ländern: Berlin und Hessen. Berlin führte 2019 den Internationalen Frauentag als zusätzlichen Feiertag ein.

Die Länderlisten führt der Deutsche Gewerkschaftsbund in seiner Feiertagsübersicht.

Wer am 31. Oktober freihat, verdankt das dem Reformationstag und nicht Halloween, das auf dasselbe Datum fällt und in keinem deutschsprachigen Land ein Feiertag ist.

Der Feiertag steht in der Diskussion. Im Oktober 2025 stellte die CDU-Politikerin Gitta Connemann, Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, ihn infrage: Viele Menschen begingen ihn kaum noch aktiv, die Kirchen seien an diesem Tag leer. So gibt die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen den Vorstoß wieder; sie widersprach ihm. Der Tag sei „ein wichtiger Anlass, gemeinsam über die Wurzeln und Werte der freiheitlichen Gesellschaft nachzudenken“, sagte dort Benjamin Simon-Hinkelmann. Bernd Kuschnerus von der Bremischen Evangelischen Kirche hält den Feiertag laut derselben Mitteilung nicht für ein Zugeständnis an die eigene Bequemlichkeit, sondern für gesellschaftlich notwendig.

In Österreich ist der Reformationstag kein staatlich anerkannter Feiertag. Es gelten Sonderregelungen: Evangelische Schülerinnen und Schüler bekommen am 31. Oktober schulfrei, evangelische Lehrkräfte dagegen nicht. Für Angestellte gilt nach Auskunft der Evangelischen Kirche in Österreich, dass Evangelischen „nach § 8 Abs. 3 Angestelltengesetz die für den Gottesdienstbesuch erforderliche Zeit dienstfrei zu geben“ ist. Das greift, wenn kein eigener Anspruch auf Dienstfreistellung besteht und der Gottesdienst nicht in die Freizeit fällt.

Die Schweiz hat einen anderen Termin. Dort begehen die reformierten Kirchen den Reformationssonntag, und der liegt nach Angaben der Liturgie- und Gesangbuchkonferenz „jeweils am ersten Sonntag im November“. Dieselbe Quelle hält fest, dass er erst seit dem 19. Jahrhundert schweizweit am gleichen Datum begangen wird und dass der Gottesdienst gewöhnlich mit dem Abendmahl verbunden ist. Der 31. Oktober ist in der Schweiz kein Feiertag.

Für 2026 haben die evangelischen Kirchen in Niedersachsen dem Tag ein gemeinsames Motto gegeben: „Reformation neu feiern: Reset Hoffnung“. Es lehnt sich an die Jahreslosung 2026 aus der Offenbarung des Johannes an und wird von Predigtvorschlägen und Materialien für Gottesdienste begleitet.

Was man tun kann

  • Nachsehen, wo frei ist, sobald der Tag auf einen Werktag fällt. Neun Länder haben frei, sieben nicht, und die Grenze verläuft mitten durch Deutschland. 2026 ist der 31. Oktober ein Samstag und 2027 ein Sonntag; erst 2028 fällt er wieder auf einen Werktag, einen Dienstag.
  • Einen Gottesdienst besuchen. Die Gemeinden veröffentlichen ihre Termine für den 31. Oktober im Gemeindebrief und auf ihren Seiten; in der Schweiz gilt das für den ersten Sonntag im November.
  • Die Materialien zum Motto ansehen. Zu „Reset Hoffnung“ stellen die evangelischen Kirchen in Niedersachsen Predigtvorschläge und Materialien für Gottesdienste bereit.
  • Die 95 Thesen selbst lesen. Sie sind auf Latein verfasst, liegen in deutscher Übersetzung vor und lesen sich anders, als ihr Ruf vermuten lässt: als Streitschrift über Buße, nicht als Programm einer neuen Kirche.

Der Reformationstag ist ein Feiertag ohne Ausrufer, mit einer Kernszene, für die keine sichere Quelle existiert, und mit einer Mitgliederbasis, die seit Jahren schrumpft. Getragen wird er trotzdem. Neun Feiertagsgesetze halten ihn fest, die Kirchen geben ihm jedes Jahr ein Motto, und geblieben ist die Erinnerung an ein Datum, an dem ein Mönch einen Brief schrieb. Die weiteren Termine des Monats stehen im Kalender für Oktober.

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