Halloween

Der 31. Oktober ist der Vorabend von Allerheiligen — und in neun Bundesländern der Reformationstag. Ausgerufen hat Halloween niemand: Nach Deutschland kam es 1994 über die Festartikelbranche.

Titelkarte: Halloween, 31. Oktober
Auf einen Blick
Datum31. Oktober 2026
Ausgerufen vonnicht dokumentiert
ArtBrauchtum im deutschsprachigen Raum
Tag im Jahr304 von 365
WochentagSamstag

Halloween fällt jedes Jahr auf den 31. Oktober, 2026 also auf einen Samstag. Es ist der Vorabend von Allerheiligen, und daher kommt der Name. „Halloween“ ist die Verkürzung des englischen „All Hallows’ Eve“. Ausgerufen hat den Tag niemand. Halloween ist Brauchtum, kein Aktionstag einer Organisation — und kein Feiertag. Frei ist am 31. Oktober trotzdem ein großer Teil des Landes, aber aus einem anderen Grund: In neun Bundesländern ist an diesem Datum der Reformationstag gesetzlicher Feiertag.

Die Zahl
520 Millionen Euro
So viel Umsatz erwartete der deutsche Einzelhandel für Halloween 2025 — 3,7 Prozent weniger als im Jahr davor, aber 63 Prozent mehr als 2019. Nur 15,2 Prozent der Befragten wollten überhaupt Geld dafür ausgeben; das Wachstum kommt also nicht aus der Breite, sondern aus der Ausgabenhöhe. Grundlage ist eine Umfrage des IFH Köln unter mehr als 1.000 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren. Quelle: Handelsverband Deutschland (HDE), Mitteilung vom 22. Oktober 2025.

Warum es Halloween gibt

Für Halloween ist keine offizielle Ausrufung durch eine Organisation dokumentiert. Es gibt keine Resolution, keinen Gründungsbeschluss und keinen Verband, der den Tag ins Leben gerufen hätte. Zwei Dinge lassen sich dagegen belegen: woher das Datum stammt und wer den Brauch nach Deutschland gebracht hat.

Das Datum kommt aus dem Kirchenjahr. Allerheiligen liegt in der Westkirche auf dem 1. November, der Abend davor ist der 31. Oktober, und genau diesen Abend bezeichnet das englische Wort. Der Brauch wanderte mit irischen und schottischen Auswanderern nach Nordamerika, entwickelte dort seine heutige Form und kam von dort zurück.

Wann er in Deutschland ankam, lässt sich ungewöhnlich genau sagen, weil es keine Volksbewegung war, sondern eine Geschäftsentscheidung. Im Januar 1991 begann der Golfkrieg, die Karnevalsgesellschaften sagten ihre Umzüge ab, und die Hersteller von Kostümen und Masken blieben auf der Ware sitzen. Dieter Tschorn, damals PR-Berater des Deutschen Verbandes der Spielwarenindustrie, suchte daraufhin einen zweiten Termin im Jahr, an dem sich Verkleidungen verkaufen lassen. Nach eigener Darstellung verschickte er am 4. September 1994 die erste Pressemitteilung zu Halloween an deutsche Redaktionen und wiederholte das anschließend jeden September. Den Halloween-Umsatz der Branche beziffert er für 1994 auf null und für die Gegenwart auf rund 30 Millionen Euro, wie er The Local sagte.

Ein Sonderfall ist das nicht. Der Valentinstag hat denselben Weg genommen: ein Datum mit älterem Hintergrund, das in Deutschland erst über Handel und Werbung zum Massenbrauch wurde.

Worum es geht: drei Anlässe an einem Wochenende

Am 31. Oktober und 1. November treffen im deutschsprachigen Raum drei verschiedene Dinge aufeinander, und wer nur Halloween sieht, versteht den Kalender nicht. Der Reformationstag ist gesetzlicher Feiertag in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Dort gilt er seit der Wiedervereinigung. Seit 2018 kommen Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein dazu. Allerheiligen am 1. November ist Feiertag in Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Rechnet man beide Listen zusammen, bleiben genau zwei Länder übrig, in denen weder das eine noch das andere gilt: Berlin und Hessen. Die Länderlisten führt der DGB in seiner Feiertagsübersicht.

Für den Abend selbst hat das eine sehr praktische Folge. Allerheiligen ist in Bayern nicht nur arbeitsfrei, sondern ein stiller Tag. Nach dem Bayerischen Feiertagsgesetz gilt am 1. November von 2 bis 24 Uhr ein Verbot öffentlicher Unterhaltungsveranstaltungen. Ausdrücklich verboten ist auch das Tanzen. Für Musik mit ernstem Charakter sind Ausnahmen möglich, für das Tanzen nicht. Das erklärt die Landeshauptstadt München in ihrer Übersicht der stillen Feiertage. Eine Halloweenparty in München endet also nicht, wenn die Gäste gehen wollen, sondern um zwei Uhr morgens.

Dass ein Brauch an einem Kirchentag hängt, ohne selbst einer zu sein, ist im deutschen Festkalender nichts Ungewöhnliches. Der Vatertag funktioniert genauso: Er fällt auf Christi Himmelfahrt und hat mit dem kirchlichen Anlass inhaltlich längst nichts mehr zu tun. Der 1. und 2. November sind umgekehrt die Tage, an denen Familien auf den Friedhof gehen, Gräber schmücken und Kerzen aufstellen. Wie stark diese Erinnerungskultur im deutschsprachigen Raum ist, zeigt der Tag des Friedhofs im September. Halloween und Gräbersegnung liegen nicht zufällig nebeneinander: Es ist dasselbe Thema, im Abstand von zwölf Stunden, in zwei völlig verschiedenen Tonlagen.

Die Zahl
5.750 Hektar
So groß war 2025 die Anbaufläche für Speisekürbisse in Deutschland, 9,5 Prozent mehr als im Jahr davor. Auffällig ist der Bioanteil: 2.200 Hektar wurden ökologisch bewirtschaftet, und mit 35,6 Prozent ökologischer Erzeugung an der Erntemenge lag der Speisekürbis unter allen Gemüsearten weit vorn. Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 065 vom 26. Februar 2026.

Drei Dinge, die über Halloween falsch erzählt werden

Der keltische Ursprung ist nicht belegt. Fast jeder Text über Halloween beginnt mit dem keltischen Totenfest Samhain. Die Archäologische Staatssammlung München hält dagegen: Samhain ist erst im Früh- und Hochmittelalter in Irland nachgewiesen, nicht in der Antike. Archäologische Funde des Festes aus eisenzeitlichen Siedlungen oder Bestattungsplätzen Europas gibt es nicht, und über vorchristliche Sprachen in Irland ist nichts bekannt. Erst im Frühmittelalter wurde das Fest mit der christlichen Tradition von Allerseelen gleichgesetzt. Eines lässt sich laut dem Archäologen Holger Wendling in jedem Fall ausschließen: dass dabei orange Kürbisköpfe im Spiel waren. Der Kürbis kam erst vor etwa 500 Jahren aus Amerika nach Europa.

Der Kürbis kam zuletzt. Geschnitzt wurde in Europa lange in Rüben. Der Kürbis setzte sich erst durch, als der Brauch in Nordamerika angekommen war. In Deutschland ersetzte er die Rübe sogar erst, als der Anbau von Futterrüben zurückging.

Und es ist nicht einfach ein Import ohne Vorbild. Das Rübengeistern gibt es im deutschsprachigen Raum seit Generationen: Kinder höhlen im Spätherbst Rüben aus, schnitzen ein Gesicht hinein und stellen eine Kerze dazu. Die Regionalnamen sind ein eigenes kleines Wörterbuch. Rummelbooze heißt es im Saarland und in der Pfalz, Flenntippln in der Oberlausitz, Rubebötz in Thüringen. Dazu kommen Riabagoaschtern in Schwaben, Dickwurzmann in Hessen, Moas in Vorarlberg und Kürbislotter in der Steiermark. Ein Unterschied bleibt: Beim Rübengeistern verkleiden sich die Kinder nicht.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz

In Deutschland ist Halloween vor allem eine Sache der Kinder und des Einzelhandels. Der Ruf an der Haustür heißt hier „Süßes oder Saures“. Die alten Rübenbräuche laufen daneben weiter und vermischen sich mit dem neuen Fest. Im Rottweiler Stadtteil Göllsdorf gibt es seit 1956 einen Riabagoaschterumzug. Weil Futterrüben seltener werden, kommen dort inzwischen ebenfalls Kürbisse zum Einsatz.

In Österreich ist Allerheiligen bundesweit gesetzlicher Feiertag, und der 1. November hat ein eigenes, gut dokumentiertes Brauchtum, das älter ist als Halloween: den Allerheiligenstriezel. Godn oder Göd, also Patin oder Pate, bringen dem Patenkind einen geflochtenen Hefezopf mit, oft mit einer eingebackenen Silbermünze. Mancherorts hieß der Tag deshalb schlicht Godntag. Der früheste bekannte Beleg steht im „Nachrichtenbuech“ von 1699 aus Saxen in Oberösterreich, wo das Gebäck „Heiligenstriezel“ heißt. Geführt wird der Striezel unter der Nummer 255 im Register der traditionellen Lebensmittel des österreichischen Landwirtschaftsministeriums.

In der Schweiz entscheiden die Kantone über ihre Feiertage, und bei Allerheiligen folgt die Karte den Konfessionsgrenzen: frei ist der 1. November unter anderem in Appenzell Innerrhoden, Glarus, Jura, Luzern, Obwalden, Nidwalden, St. Gallen, Schwyz, Tessin, Uri, Wallis und Zug sowie in Teilen von Aargau, Basel-Landschaft, Freiburg, Graubünden und Solothurn — insgesamt in rund 40 Prozent der Gemeinden. Der große Herbsttermin ist dort aber ein anderer: die Räbechilbi in Richterswil am Zürichsee, der größte Räbenlichterumzug des Landes. Sie findet am zweiten Samstag im November statt, 2026 also am 14. November. Rund 30 Tonnen Herbstrüben werden zu Laternen geschnitzt, der Umzug ist etwa einen Kilometer lang, und Schulen und Vereine bauen rund 40 Sujets. Termin und Zahlen nennt Zürich Tourismus. Den Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde für den größten Räbenlichterumzug der Welt holte Richterswil im Jahr 2000.

Was man zum 31. Oktober wissen sollte

  • Erst nachsehen, ob der Tag frei ist. Der 31. Oktober ist in neun Bundesländern arbeitsfrei, in sieben nicht — und wo er frei ist, liegt das am Reformationstag, nicht an Halloween.
  • Im Süden endet die Nacht früher. In Bayern greift am 1. November ab 2 Uhr das Tanzverbot des stillen Feiertags. Wer eine Party plant, plant sie bis zwei.
  • Den Kürbis regional kaufen. Speisekürbisse wachsen in Deutschland auf 5.750 Hektar, gut ein Drittel der Erntemenge stammt aus ökologischem Anbau. Für einen Kürbis aus Übersee gibt es Ende Oktober keinen Grund.
  • Rüben statt Kürbis ist die ältere Variante. Wer den regionalen Brauch will, schnitzt eine Futterrübe — und findet in fast jeder Landschaft ein eigenes Wort dafür.
  • Am Tag danach gilt ein anderer Ton. Allerheiligen und Allerseelen sind Gedenktage. In Bayern, Österreich und den katholischen Kantonen sind Gräbersegnung und Friedhofsgang am 1. und 2. November die Regel, nicht die Ausnahme.

Halloween ist damit einer der wenigen Termine im Kalender, die man vollständig erklären kann, ohne eine Organisation zu nennen. Das Datum stammt aus dem Kirchenjahr, die Form aus Nordamerika, die deutsche Verbreitung aus der Festartikelbranche. Und das Vorbild, das kaum jemand kennt, kommt aus dem eigenen Dorf. Die übrigen Termine des Monats stehen im Kalender für Oktober.

Verwandte Tage

· Wie wir prüfen