Welttag der Städte
Der Welttag der Städte am 31. Oktober geht auf den Schlusstag der Expo 2010 in Schanghai zurück. Die Vereinten Nationen riefen ihn mit der Resolution A/RES/68/239 aus; er beschließt jeden Oktober den Aktionsmonat Urban October.
| Datum | 31. Oktober 2026 |
|---|---|
| Ausgerufen von | Vereinte Nationen |
| Resolution | A/RES/68/239 |
| Art | Internationaler Aktionstag |
| Tag im Jahr | 304 von 365 |
| Wochentag | Samstag |
Der Welttag der Städte fällt 2026 auf Samstag, den 31. Oktober. Ausgerufen hat ihn die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit der Resolution A/RES/68/239, begangen wird er seit 2014. International läuft er unter dem Namen World Cities Day. Er beschließt jedes Jahr den Aktionsmonat Urban October, der mit dem Welttag des Wohn- und Siedlungswesens am ersten Montag im Oktober beginnt. Das Regionale Informationszentrum der Vereinten Nationen führt ihn unter genau dieser Resolutionsnummer. Die zentrale Veranstaltung richtet 2026 nach Angaben von UN-Habitat die Stadt Fuzhou in China aus. Das Thema lautet dort „Regenerating the City: Adequate Housing for All“, also Stadterneuerung als Weg zu angemessenem Wohnraum für alle.
Warum es diesen Tag gibt
Das Datum stammt nicht aus der Stadtforschung, sondern von einer Weltausstellung. Die Expo 2010 in Schanghai war die erste, deren Thema die Lebensqualität in Städten war: „Better City, Better Life“, auf Deutsch bessere Stadt, besseres Leben. In 184 Tagen zeigten dort nach Angaben des Bureau International des Expositions 246 Länder und internationale Organisationen ihre Vorstellungen von Stadtentwicklung.
Am 31. Oktober 2010 ging die Expo zu Ende. Zum Abschluss des begleitenden Gipfelforums wurde die Erklärung von Schanghai verlesen. Sie ist nach Darstellung des Bureau International des Expositions ein knapper Text aus 23 Sätzen. Aus ihr gingen das Shanghai Manual als Handbuch für Stadtverwaltungen und der Vorschlag eines Welttags der Städte hervor. Die Stadtregierung von Schanghai verfolgte den Vorschlag weiter, der UN-Habitat-Verwaltungsrat unterstützte ihn, und die Generalversammlung der Vereinten Nationen beschloss ihn schließlich.
Der 31. Oktober ist also der Jahrestag eines Messeschlusses. Das erklärt eine Eigenheit, die in vielen Kalendern untergeht. Anders als beim Weltwassertag oder beim Welternährungstag steht hinter dem Datum kein Gründungsakt der Stadtgeschichte. Es ist der Tag, an dem sich eine Weltausstellung über Städte verabschiedet hat.
Worum es geht
Im Mittelpunkt steht weniger die Stadt als ihr Wachstum. Der Tag soll nach Angaben der Vereinten Nationen das Bewusstsein für Urbanisierung schärfen und die Zusammenarbeit zwischen Staaten und Kommunen fördern. Angebunden ist er an das elfte Ziel für nachhaltige Entwicklung: Städte inklusiv, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten.
Das Thema 2026 setzt bei der Stadterneuerung an. UN-Habitat verbindet damit die Frage, wie sich die Aufwertung ganzer Quartiere mit Wohnungspolitik und mit Strategien für informelle Siedlungen verzahnen lässt. Ausdrücklich genannt werden Schutzmechanismen gegen Verdrängung: Wer im Viertel wohnt, soll von der Erneuerung profitieren und nicht durch sie wegziehen müssen. Wie eng Stadtplanung und Risikovorsorge zusammengehören, zeigt der Internationale Tag der Katastrophenvorbeugung am 13. Oktober, der ebenfalls in den Urban October fällt.
Wie viele Menschen in Städten leben, hängt davon ab, wer zählt
Bis 2025 beruhten alle Zahlen der Vereinten Nationen zur Urbanisierung auf den Definitionen der einzelnen Länder. Und die gehen weit auseinander. Der Schwellenwert, ab dem eine Siedlung als städtisch gilt, reicht von 200 Einwohnern in manchen Staaten bis zu 50.000 in anderen. Das nannte John Wilmoth, Direktor der UN-Bevölkerungsabteilung, bei der Vorstellung des Berichts am 18. November 2025. Manche Länder zählen zusätzlich Dichte, Verwaltungsrang oder Wirtschaftsstruktur mit. Ein Ort mit 3.000 Einwohnern konnte damit in einem Land Stadt sein und im Nachbarland Dorf.
Die Ausgabe 2025 der World Urbanization Prospects stellt deshalb erstmals eine zweite Messung daneben. Der Grad der Verstädterung legt ein Raster aus Quadratkilometerzellen über die gesamte Landfläche und ordnet jede Zelle nach Bevölkerungsdichte, Größe und Zusammenhang ein. Entwickelt hat die Methode die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission. Verfeinert wurde sie unter anderem mit UN-Habitat, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation, der OECD und der Weltbank. Die Statistische Kommission der Vereinten Nationen empfahl sie 2020 für internationale Vergleiche. So verteilt sich die Menschheit auf die drei Kategorien:
Das Ergebnis verschiebt das Bild vor allem in der Mitte. Bei Millionenstädten und bei dünn besiedelten Gegenden stimmen alte und neue Messung weitgehend überein. Uneinig sind sich die Verfahren bei kleineren Städten: In Europa, Nordamerika und Lateinamerika gelten sie meist als städtisch, in Asien und Afrika häufig als ländlich. Unter der neuen Zählweise sind Kleinstädte in 71 Ländern die häufigste Siedlungsform, und Deutschland gehört dazu. Das steht in den Kernaussagen von UN DESA zum Bericht, neben Indien, Uganda und den Vereinigten Staaten.
Zwei weitere Befunde desselben Berichts räumen mit gängigen Bildern auf. Die Zahl der Megastädte mit zehn Millionen Einwohnern oder mehr stieg von acht im Jahr 1975 auf 33 im Jahr 2025. Dort wohnt aber die Minderheit der Stadtbevölkerung. Von den rund 12.000 Städten weltweit haben 96 Prozent weniger als eine Million Einwohner, 81 Prozent sogar weniger als 250.000.
Der zweite Befund: Städte wachsen nicht zwangsläufig. Zwischen 2015 und 2025 schrumpften mehr als 3.000 von ihnen, die meisten davon kleiner als 250.000 Einwohner. Auch diese Zahlen stehen in den Kernaussagen zu World Urbanization Prospects 2025.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz
Eine zentrale Begehung gibt es im deutschsprachigen Raum nicht, und der 31. Oktober ist hierzulande ohnehin belegt. In neun Bundesländern ist der Reformationstag gesetzlicher Feiertag, dazu kommt Halloween. Der Welttag der Städte bleibt deshalb in der öffentlichen Wahrnehmung klein, während die Sache selbst über die kommunalen Spitzenverbände läuft.
In Deutschland haben sich im Deutschen Städtetag nach eigenen Angaben rund 3.200 Städte und Gemeinden mit rund 54 Millionen Einwohnern zusammengeschlossen. Das inhaltliche Gegenstück zum UN-Tag ist die Neue Leipzig-Charta. Sie wurde am 30. November 2020 bei einem informellen Ministertreffen unter deutscher EU-Ratspräsidentschaft verabschiedet und gilt seither als Leitdokument der europäischen Stadtentwicklung. Sie beschreibt drei Handlungsdimensionen, die das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen aufführt: die gerechte, die grüne und die produktive Stadt.
In Österreich vertritt der Österreichische Städtebund die Städte und größeren Gemeinden. Er zählte nach eigenen Angaben 266 Mitglieder, Stand 11. Juni 2026. Anders als seine Pendants in Deutschland und der Schweiz ist er in Artikel 115 Absatz 3 der Bundesverfassung verankert. Die Mitgliedschaft selbst ist freiwillig.
Die Schweiz ist statistisch das am stärksten verstädterte der drei Länder, obwohl sie keine Millionenstadt hat. Ihre 52 Agglomerationen nehmen 57 Prozent der Landesfläche ein und beherbergen drei Viertel der Bevölkerung; elf von ihnen reichen über die Landesgrenze hinaus. Die Zahlen stammen aus dem gemeinsamen Datenportal von Bundesamt für Statistik und Schweizerischem Städteverband. Gemeint ist dabei die Agglomeration samt Gürtel, nicht die Kernstadt allein.
Was man tun kann
- Den Flächennutzungsplan der eigenen Gemeinde ansehen. Er liegt bei Änderungen öffentlich aus, und Einwendungen sind an keine Fachkenntnis gebunden.
- Die Zahlen der eigenen Stadt nachschlagen: Viele Kommunen veröffentlichen Statistikjahrbücher mit Wohnungsbestand, Leerstand und Bodenpreisen.
- Bei Beteiligungsverfahren mitmachen. Quartiersräte, Bürgerräte und Werkstattverfahren haben regelmäßig zu wenige Teilnehmer, um repräsentativ zu sein.
- Den Bericht World Cities Report von UN-Habitat lesen, der alle zwei Jahre erscheint und frei verfügbar ist.
- Bei Veranstaltungen im Urban October nachfragen: Hochschulen und Forschungseinrichtungen greifen den Tag im deutschsprachigen Raum häufiger auf als Verwaltungen.
Der Welttag der Städte gehört zu den Gedenktagen, die im Kalender fast verschwinden und deren Gegenstand trotzdem jeden betrifft, der eine Adresse hat. Sein Datum verdankt er dem Schlusstag einer Weltausstellung. Sein Gewicht bezieht er aus einer Prognose von UN DESA: Zwei Drittel des weltweiten Bevölkerungswachstums bis 2050 werden in Städten stattfinden. Wer wissen will, wie das eigene Umfeld in zwanzig Jahren aussieht, findet die Antwort seltener in globalen Prognosen als im Bebauungsplan des eigenen Stadtteils. Weitere Gedenktage dieses Monats stehen im Kalender für Oktober.