Internationaler Tag des Schneeleoparden
Der Internationale Tag des Schneeleoparden fällt jedes Jahr auf den 23. Oktober. Ausgerufen haben ihn 2013 die zwölf Staaten, in denen die Art vorkommt; die Vereinten Nationen haben ihn 2024 bestätigt.
| Datum | 23. Oktober 2026 |
|---|---|
| Ausgerufen von | Vereinte Nationen |
| Resolution | A/RES/79/143 |
| Art | Internationaler Aktionstag |
| Tag im Jahr | 296 von 365 |
| Wochentag | Freitag |
Der Internationale Tag des Schneeleoparden fällt jedes Jahr auf den 23. Oktober. Ausgerufen hat ihn die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 12. Dezember 2024 mit der Resolution A/RES/79/143. Davor war er elf Jahre lang ein Termin der zwölf Staaten, in denen die Art vorkommt. Sie hatten ihn 2013 in der Bischkek-Erklärung vereinbart und 2014 zum ersten Mal begangen.
Warum es diesen Tag gibt
Am 22. und 23. Oktober 2013 kamen in Bischkek, der Hauptstadt Kirgisistans, Vertreter der zwölf Länder zusammen, in denen der Schneeleopard vorkommt: Afghanistan, Bhutan, China, Indien, Kasachstan, Kirgisistan, Mongolei, Nepal, Pakistan, Russland, Tadschikistan und Usbekistan. Das Treffen trug den Namen Global Snow Leopard Conservation Forum.
Am zweiten Tag unterzeichneten die zwölf Staaten die Bischkek-Erklärung. Darin steht die Selbstverpflichtung, den 23. Oktober künftig jedes Jahr als Internationalen Tag des Schneeleoparden zu begehen. An diesem Datum soll zugleich ein Preis für Verdienste um den Schutz der Art vergeben werden. Das Datum ist damit der Jahrestag der Unterschrift.
Aus demselben Forum ging das Global Snow Leopard and Ecosystem Protection Program hervor, kurz GSLEP, ein gemeinsames Schutzprogramm der zwölf Regierungen. Sein erklärtes Ziel hieß „Secure 20 by 2020“: mindestens zwanzig Landschaften zu sichern. Als gesichert gilt eine Landschaft, in der wenigstens 100 fortpflanzungsfähige Schneeleoparden leben, in der die Beutebestände ausreichen und die mit den Nachbargebieten verbunden ist.
Elf Jahre später kam die Staatengemeinschaft hinzu. Kirgisistan brachte den Entwurf A/79/L.40 in die 79. Generalversammlung ein, die ihn am 12. Dezember 2024 ohne Abstimmung annahm. Das ist die umgekehrte Reihenfolge des Üblichen. Sonst schaffen die Vereinten Nationen einen Tag, den die Staaten anschließend füllen müssen. Hier haben zwölf Staaten einen Termin etabliert, den die Vereinten Nationen elf Jahre später bestätigt haben.
Worum es geht
Der Schneeleopard, wissenschaftlich Panthera uncia, lebt in den Hochgebirgen Zentral- und Südasiens: im Altai, im Tian Shan, im Pamir, im Hindukusch, im Himalaja und auf dem Tibetischen Hochland. Sein Hauptverbreitungsgebiet liegt nach Angaben des NABU zwischen 2.700 und 5.000 Metern Höhe. In der Wüste Gobi und in Tadschikistan kommt er auch ab 900 bis 1.500 Metern vor, im Himalaja wurde er noch auf 5.800 Metern gesichtet.
Die Weltnaturschutzunion IUCN führt die Art auf ihrer Roten Liste als gefährdet. Vier Ursachen wirken zusammen: illegale Jagd und illegaler Handel, der Konflikt mit der Weidewirtschaft, der Rückgang der Huftiere, von denen sich die Katze ernährt, und der Klimawandel. Die Hochgebirge Zentralasiens und des Himalajas trifft er nach Angaben des WWF besonders stark.
Der Handel ist bezifferbar. Ein Fell bringt auf dem Schwarzmarkt nach Angaben des WWF bis zu 500 US-Dollar. Für ein Skelett werden bis zu 10.000 US-Dollar gezahlt, vor allem für die traditionelle chinesische Medizin. Deshalb steht der Schneeleopard in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens: Jeder kommerzielle internationale Handel mit ihm ist verboten.
Es geht an diesem Tag also um Artenschutz, nicht um Tierschutz. Der Unterschied ist kein Wortspiel: Beim Artenschutz steht die Population als Ganzes im Mittelpunkt, beim Tierschutz das einzelne Tier und sein Wohlergehen. Dafür gibt es mit dem Welttierschutztag am 4. Oktober einen eigenen Termin, keine drei Wochen früher im selben Monat.
Warum niemand genau weiß, wie viele es gibt
Zum Bestand kursieren zwei Zahlen, und beide stammen aus seriöser Quelle. Der WWF schätzt 4.000 bis 6.500 Tiere. Die Vereinten Nationen nennen unter Berufung auf die Rote Liste der IUCN 2.710 bis 3.380 geschlechtsreife Individuen. Ein Teil des Abstands erklärt sich damit, dass die zweite Zahl Jungtiere nicht mitzählt. Der Rest erklärt sich nicht.
Der Grund steht beim WWF selbst: Auf weniger als drei Prozent des Verbreitungsgebiets wurde der Bestand bisher mit robusten wissenschaftlichen Methoden wie Kamerafallen untersucht. Nur vier Länder arbeiten flächendeckend mit solchen Verfahren. Alles Übrige sind Hochrechnungen.
Diese vier Länder sind es, aus denen belastbare Zahlen vorliegen:
- Mongolei: 953 Tiere, erhoben zwischen 2018 und 2020.
- Indien: 718 Tiere, Stand Anfang 2024.
- Bhutan: 134 Tiere, Stand 2023.
- Nepal: knapp 400 Tiere, Stand 2025.
Kirgisistan, das Land der Bischkek-Erklärung, wird mit 285 Tieren geführt. Der NABU nennt diese Zahl mit Stand 2025 und beruft sich auf eine Studie, der WWF nennt dieselbe Zahl mit Stand 2024. In der Aufstellung des WWF gehört das Land zudem nicht zu den vieren mit flächendeckender Erhebung. Genau um diese Unschärfe geht es hier.
Daraus folgt eine Lesehilfe für jede Meldung zu diesem Tag. Wenn eine Bestandszahl steigt oder fällt, hat sich oft nicht die Population verändert, sondern die Zählmethode. Wer Zahlen zu scheuen Arten in schwer zugänglichem Gelände liest, sollte erst nach dem Stand und nach dem Verfahren fragen. Dieselbe Vorsicht lohnt beim Internationalen Tag der Primaten am 1. September.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz
In Deutschland ist der NABU die Organisation, die am längsten an diesem Thema arbeitet. Seit 1999 ist der Verband in Kirgisistan aktiv und hat dort gemeinsam mit der staatlichen Umwelt- und Forstbehörde die Einheit Gruppa Bars aufgebaut. Acht Schneeleoparden wurden von ihr gefunden und in das NABU-Rehabilitationszentrum gebracht. Seit 2022 entsteht eine zweite Einheit im südlichen Gebiet Dschalalabad. Felle, die früher offen auf den Basaren von Bischkek lagen, sind dort heute nicht mehr zu finden.
Der zweite deutsche Beitrag ist die Grenze. Der Schneeleopard steht in Anhang I des Washingtoner Übereinkommens, und artengeschützte Exemplare brauchen für die Zollabfertigung grundsätzlich eine artenschutzrechtliche Genehmigung. Wer ohne sie einreist, dem droht nach Angaben der Zollverwaltung nicht nur die Beschlagnahme, sondern auch eine Geldstrafe.
In deutschen Zoos ist die Art über das Europäische Erhaltungszuchtprogramm EEP vertreten. Der Tiergarten Nürnberg übernahm am 20. November 2025 auf Empfehlung des EEP den Kater Pamir aus dem Zoo Warschau.
In Österreich hält der Zoo Salzburg Schneeleoparden. Am 28. März 2025 brachte das Weibchen Malou dort zwei Jungtiere zur Welt, ein weibliches und ein männliches. Vater ist der Kater Sayan. Auf seiner Artenseite nennt der Zoo die IUCN-Schätzung von etwa 3.000 Tieren in freier Natur. Als Bedrohungen führt er Klimawandel, illegale Jagd und den Konflikt zwischen Mensch und Wildtier an.
In der Schweiz hält der Zoo Zürich die Art seit seiner Gründung 1929; 59 Jungtiere sind dort in der Zoogeschichte zur Welt gekommen. Zuletzt wurden am 9. Mai 2025 drei Junge geboren. Der Zoo begründet die Zucht mit dem Aufbau einer stabilen Reservepopulation als Versicherung für die wildlebenden Tiere.
Was man an diesem Tag tun kann
- Nach dem Stand und der Methode fragen. Eine Bestandszahl ohne Jahresangabe und ohne Verfahren sagt bei dieser Art fast nichts aus.
- Aus dem Urlaub nichts mitbringen, was aus Fell oder Knochen sein könnte. Ohne artenschutzrechtliche Genehmigung nimmt der Zoll das Stück ab, und es droht eine Geldstrafe.
- Im Zoo nach dem EEP fragen. Nürnberg, Salzburg und Zürich halten die Art im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm.
- Die Arbeit vor Ort unterstützen. NABU und WWF Deutschland führen eigene Projekte in den Verbreitungsländern, der NABU in Kirgisistan und Tadschikistan.
- Den Tag nicht mit dem Welttierschutztag verwechseln. Der liegt am 4. Oktober und betrifft das einzelne Tier, nicht den Bestand einer Art.
Der 23. Oktober ist ein fester Termin und wandert nur über die Wochentage. Er ist zugleich ein seltener Fall in diesem Kalender: ein Aktionstag, den erst die betroffenen Staaten eingerichtet und die Staatengemeinschaft elf Jahre später übernommen hat. Einer einzelnen bedrohten Art gilt im selben Kalender auch der Welt-Nashorn-Tag am 22. September. Die übrigen Einträge des Monats stehen im Kalender für Oktober.
- Vereinte Nationen: International Day of the Snow Leopard
- Resolution A/RES/79/143 der UN-Generalversammlung
- GSLEP: Bischkek-Erklärung vom 23. Oktober 2013
- GSLEP: Das Programm und das Ziel Secure 20 by 2020
- WWF Deutschland: Schneeleopard im Artenlexikon
- WWF Deutschland: Schneeleoparden in Gefahr
- NABU: Der Lebensraum des Schneeleoparden
- NABU: Gruppa Bars, die Anti-Wilderer-Einheit in Kirgisistan
- Tiergarten Nürnberg: Wieder Schneeleopard im Tiergarten zu sehen
- Zoo Salzburg: Nachwuchs bei den Schneeleoparden
- Zoo Salzburg: Artenseite Schneeleopard
- Zoo Zürich: Junge Schneeleoparden auf Entdeckungstour
- Zoo Zürich: Drei Fellknäuel für den Arterhalt
- Zollverwaltung: Artenschutz bei Reisemitbringseln