Welt-Nashorn-Tag
Der Welt-Nashorn-Tag am 22. September wurde 2010 vom WWF Südafrika angekündigt. Vom Nördlichen Breitmaulnashorn leben noch zwei Weibchen – der Versuch, die Unterart zu retten, wird von Berlin aus geleitet.
| Datum | 22. September 2027 |
|---|---|
| Ausgerufen von | WWF Südafrika |
| Art | Internationaler Aktionstag |
| Tag im Jahr | 265 von 365 |
| Wochentag | Mittwoch |
Der Welt-Nashorn-Tag fällt jedes Jahr auf den 22. September. Angekündigt hat ihn 2010 der WWF Südafrika; im Jahr darauf machten zwei Naturschützerinnen daraus einen internationalen Termin, der alle fünf Nashornarten umfasst. Der Anlass ist konkret: Die Tiere werden wegen eines Stoffes getötet, der nichts kann.
Warum es diesen Tag gibt
2010 kündigte der WWF Südafrika den Tag an, zunächst als nationale Aufmerksamkeitskampagne gegen Wilderei und den illegalen Handel mit Horn.
Im Jahr darauf wurde daraus etwas Größeres, und zwar durch zwei Einzelpersonen: Lisa Jane Campbell von der Chishakwe Ranch in Simbabwe und Rhishja Cota-Larson von der US-Organisation Saving Rhinos. Sie weiteten den Termin auf alle fünf Arten aus – die afrikanischen und die asiatischen – und machten ihn international.
Das ist die Herkunft, die dieser Tag hat: eine Organisation, dann zwei Personen, kein UN-Beschluss. Wer nach einer Resolution sucht, findet keine.
Worum es geht: fünf Arten, sehr verschiedene Lagen
„Das Nashorn“ gibt es nicht. Es gibt fünf Arten, und ihre Lage unterscheidet sich so stark, dass jede Aussage über „das Nashorn“ falsch wird.
Das Breitmaulnashorn und das Spitzmaulnashorn leben in Afrika; das Breitmaulnashorn ist die Art, um die es bei der südafrikanischen Wilderei überwiegend geht. In Asien leben das Panzernashorn in Indien und Nepal sowie zwei Arten, die zu den seltensten großen Säugetieren der Erde gehören: das Sumatra-Nashorn und das Java-Nashorn, beide nur noch in kleinen, isolierten Beständen.
Gemeinsam ist ihnen die Ursache. Nashornhorn besteht aus Keratin – demselben Protein wie Fingernägel und Haare. Es hat keine pharmakologische Wirkung. In Teilen Asiens wird es dennoch als Heilmittel und als Statussymbol gehandelt, zeitweise zu Preisen, die den Aufwand für organisierte Wilderei rechtfertigen.
Daraus folgt die unangenehme Einsicht dieses Tages: Der Schutz scheitert nicht an fehlenden Schutzgebieten, sondern an einer Nachfrage, die auf einer Falschannahme beruht. Deshalb arbeiten die Kampagnen an der Nachfrageseite – ein langsamer Weg, aber der einzige, der die Ursache trifft.
Die Maßnahme, die wirkt und trotzdem unangenehm ist
Es gibt einen Eingriff, dessen Wirksamkeit inzwischen belegt ist, und er wird selten gefeiert: das vorsorgliche Enthornen. Dem betäubten Tier wird das Horn oberhalb der Wachstumszone abgesägt; es wächst nach und muss regelmäßig gekürzt werden.
Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung wertete das Enthornen von rund 2.284 Nashörnern in acht Schutzgebieten im südlichen Afrika aus. Das Ergebnis: ein Rückgang der Wilderei um etwa 78 Prozent – und zwar zu einem Bruchteil der Kosten klassischer Bewachung.
Die Logik ist banal und deshalb wirksam. Wilderei ist eine Rechnung aus Risiko und Ertrag. Mehr Ranger erhöhen das Risiko, was teuer ist und mäßig wirkt. Kein Horn senkt den Ertrag auf null.
Unangenehm bleibt es trotzdem. Das Horn ist kein Zierrat: Nashörner nutzen es zur Verteidigung, zum Freilegen von Wasser und Nahrung und im Umgang untereinander. Eine Art dauerhaft zu verstümmeln, damit sie nicht getötet wird, ist keine Lösung, sondern ein Waffenstillstand – und die Studie sagt genau das: Sie misst, was auf kurze Sicht funktioniert, nicht, was richtig ist.
Die zwei letzten – und warum das eine Berliner Geschichte ist
Eine Unterart ist über den Punkt hinaus, an dem Schutzgebiete noch helfen. Vom Nördlichen Breitmaulnashorn leben noch zwei Tiere, beide weiblich: Najin und ihre Tochter Fatu. Das letzte Männchen starb 2018. Keines der beiden Weibchen kann eine Trächtigkeit austragen.
Was danach kommt, wird aus Deutschland koordiniert. Das internationale Konsortium BioRescue wird vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin geleitet. Es arbeitet mit Verfahren der assistierten Reproduktion und mit Stammzelltechnik: Eizellen werden Fatu entnommen, im Labor befruchtet und als Embryonen eingefroren; austragen sollen sie Leihmütter der südlichen Unterart.
Im Sommer 2025 meldete das Konsortium drei weitere Embryonen und den Beginn von Embryotransfers. Ob daraus ein Kalb wird, ist offen.
Für den deutschsprachigen Raum ist das der direkteste Bezug, den dieser Tag hat – und er ist unbequem. Der Aufwand, der hier betrieben wird, um zwei Tiere zu retten, wäre nicht nötig gewesen, wenn die Art dreißig Jahre früher geschützt worden wäre. Hochtechnologie ist hier nicht der Fortschritt, sondern die Rechnung für etwas Versäumtes.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz
Keines der drei Länder hat Wildbestände, und der Tag wird von keiner Behörde getragen. Der Bezug läuft über drei Kanäle, und alle drei sind konkret.
Forschung. Das Leibniz-IZW in Berlin führt BioRescue – ein Fall, in dem eine deutsche Einrichtung nicht mitfinanziert, sondern federführend ist.
Zoos. Zoologische Gärten in allen drei Ländern halten Nashörner und beteiligen sich an den koordinierten Erhaltungszuchtprogrammen europäischer Zoos. Diese Bestände sind der Grund, warum überhaupt Leihmütter und Fachwissen zur Verfügung stehen.
Zoll und Handel. Nashörner stehen unter dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen; Horn und Produkte daraus dürfen nicht ein- oder ausgeführt werden. Das betrifft auch alte Jagdtrophäen und Erbstücke – ein Punkt, der regelmäßig unterschätzt wird, weil das Stück seit Jahrzehnten an der Wand hängt.
Der wirksamste Beitrag von hier aus ist damit derselbe wie bei den Mantarochen: nichts kaufen, nichts mitbringen, und die Nachfrage nicht bedienen.
Was man tun kann
- Kein Horn, in keiner Form. Auch nicht als Antiquität, Trophäe oder Pulver – Ein- und Ausfuhr sind verboten.
- Das Keratin-Argument weitergeben. Horn ist stofflich dasselbe wie Fingernagel; die Nachfrage beruht auf einer Falschannahme.
- Nach der Art fragen. Wer über „das Nashorn“ spricht, verwischt fünf sehr verschiedene Lagen.
- Erhaltungszucht unterstützen. Die Zoobestände sind kein Ersatz für Wildpopulationen, aber sie sind die Grundlage der Verfahren, die jetzt versucht werden.
- Die Berliner Arbeit verfolgen. BioRescue veröffentlicht seinen Stand; es ist einer der wenigen Fälle, in denen man einem Artenschutzprojekt beim Rechnen zusehen kann.
Am 22. September steht dieser Termin neben dem Autofreien Tag. Von den fünf Tiertagen dieses Monats liegt ihm der nächste: der Welttag der Delfine – und beide zeigen dasselbe Muster: Die Tötung ist sichtbar und empört, der Lebensraumverlust ist unsichtbar und größer.