Welt-Aids-Tag
Am 1. Dezember erinnert der Welt-Aids-Tag an die Menschen, die an Aids gestorben sind, und gilt denen, die mit HIV leben. Ausgerufen hat ihn 1988 die WHO.
| Datum | 1. Dezember 2026 |
|---|---|
| Ausgerufen von | WHO und Vereinte Nationen |
| Resolution | A/RES/43/15 |
| Art | Internationaler Aktionstag |
| Tag im Jahr | 335 von 365 |
| Wochentag | Dienstag |
Der Welt-Aids-Tag fällt 2026 auf Dienstag, den 1. Dezember. Ausgerufen hat ihn 1988 die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die jährliche Begehung haben die Vereinten Nationen festgeschrieben. Der Tag erinnert an die Menschen, die an den Folgen von Aids gestorben sind, und gilt denen, die mit HIV leben.
Warum es diesen Tag gibt
Die Idee stammt von James Bunn und Thomas Netter, den ersten Informationsbeauftragten des globalen Aids-Programms der WHO. Bunn war amerikanischer Rundfunkjournalist, Netter schrieb in den 1980er-Jahren regelmäßig für die New York Times. Sie schlugen einen weltweiten Tag für die Menschen vor, die an Aids gestorben waren oder mit HIV lebten. Nach der Darstellung des US-Senders WHYY empfahlen sie auch das Datum. Der 1. Dezember lag zwischen der US-Präsidentschaftswahl 1988 und den Weihnachtsfeiertagen. Ein Termin in dieser nachrichtenarmen Zeit versprach die größte Aufmerksamkeit der westlichen Medien.
Am 1. Dezember 1988 rief die WHO den ersten Welt-Aids-Tag aus, wie das Bundesarchiv festhält. Die WHO beschreibt ihn als Gelegenheit, aufzuklären, an die Verstorbenen zu erinnern und Erfolge zu würdigen. Die jährliche Begehung schreibt die Resolution 43/15 der UN-Generalversammlung vor. So steht es in einer Mitteilung der Vereinten Nationen von 1996. Sein Motto erhält der Tag jedes Jahr von UNAIDS, dem Aids-Programm der Vereinten Nationen. Darauf verweist etwa das Factsheet der Aids Hilfe Wien.
Die rote Schleife entstand 1991. Entworfen hat sie der Artists Caucus von Visual AIDS, eine Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern. Öffentlich zu sehen war sie erstmals am 2. Juni 1991 bei der Verleihung der Tony Awards in New York. Ein Urheberrecht wurde nach Angaben von Visual AIDS bewusst nicht beansprucht, damit die Schleife breit getragen und genutzt werden kann.
Worum es geht
HIV steht für die Humanen Immundefizienz-Viren aus der Familie der Retroviren. Eine HIV-Infektion und Aids sind nicht dasselbe. Aids bezeichnet das Stadium schwerer, lebensbedrohlicher Erkrankungen bei stark geschwächter Immunabwehr. Ohne Behandlung ist nach Kohortenstudien zehn Jahre nach der Ansteckung etwa die Hälfte der Infizierten mit schweren Immundefekten erkrankt. Rückgängig machen lassen sich die Störungen der Immunabwehr nur durch eine erfolgreiche Therapie. So beschreibt es der RKI-Ratgeber HIV-Infektion/AIDS.
Seit Mitte der 1990er-Jahre wird die antiretrovirale Kombinationstherapie eingesetzt. Nach Schätzung des Robert Koch-Instituts erhielten 2024 etwa 98 Prozent der Menschen mit diagnostizierter HIV-Infektion in Deutschland eine antiretrovirale Therapie. Rund 96 Prozent dieser Therapien waren erfolgreich, mit weniger als 200 Viruskopien pro Milliliter Blut. HIV ist dann sexuell nicht mehr übertragbar. In Deutschland führt die Infektion in der Regel nicht mehr zum Tod. Deshalb stieg die Zahl der Menschen mit HIV in Deutschland bis Ende 2024 auf etwa 97.700.
Seit 2010 sind die Neuinfektionen laut UNAIDS um 42 Prozent zurückgegangen, die Todesfälle durch Aids um 57 Prozent. Zugleich sprachen die Vereinten Nationen zum Welt-Aids-Tag 2025 von einer historischen Finanzierungskrise, die den Fortschritt von Jahrzehnten gefährde. Das Motto lautete „Overcoming disruption, transforming the AIDS response“.
Späte Diagnosen in Deutschland und Österreich
In Deutschland wurden 2024 etwa 32 Prozent der HIV-Erstdiagnosen erst bei einem fortgeschrittenen Immundefekt gestellt. Bei 18 Prozent lag bereits das Vollbild Aids vor. Der Anteil der Erstdiagnosen mit fortgeschrittener Infektion oder im Stadium Aids blieb laut Robert Koch-Institut im Vergleich zu den Vorjahren etwa konstant. Die Zahl der Neuinfektionen schätzt das Institut für 2024 auf 2.300, etwa 200 mehr als im Vorjahr.
Damit hängt der erste Zielwert zusammen, den UNAIDS laut Robert Koch-Institut formuliert hat. Bis 2025 sollten mindestens 95 Prozent der Menschen mit HIV diagnostiziert sein. Davon sollten mindestens 95 Prozent eine Therapie erhalten, und bei mindestens 95 Prozent der Behandelten sollte kein HIV mehr im Blut nachweisbar sein. Deutschland erreichte 2024 die beiden letzten Werte. Beim ersten lag es mit etwa 92 Prozent noch darunter.
Auch in Österreich kommen viele Diagnosen spät. Laut Aids Hilfe Wien liegt der Anteil der sogenannten „Late Presenter“ bei 42 Prozent. Nur ein Fünftel aller HIV-positiven Personen erhält die Diagnose in den ersten drei Jahren nach der Ansteckung. Späte Diagnosen treffen häufiger heterosexuelle Frauen und Männer, Menschen ab 50 Jahren und Menschen, die ursprünglich nicht aus Österreich kommen. Verglichen wird dabei mit Männern, die Sex mit Männern haben.
In Deutschland, Österreich und der Schweiz
In Deutschland dokumentiert das Bundesarchiv, dass Bundesgesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt am 1. Dezember 1991 Menschen mit HIV im Palais Schaumburg empfing. 2025 gestalteten das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), die Deutsche AIDS-Stiftung und die Deutsche Aidshilfe die Kampagne zum Welt-Aids-Tag gemeinsam. Sie lief nach der Ankündigung des BIÖG unter dem Titel „Gemeinsam. Gerade jetzt“.
In Österreich stellte die Aids Hilfe Wien den Welt-Aids-Tag 2025 unter ein eigenes Motto: „HIV-Prävention kennt kein Alter – Gemeinsam für sexuelle Gesundheit“. 2024 registrierte das Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien 454 HIV-Neudiagnosen. In den Jahren davor lag die Zahl meist zwischen 350 und 400, mit 473 im Jahr 2022 als Ausnahme. Insgesamt leben nach dem Factsheet der Aids Hilfe Wien rund 9.000 Menschen mit HIV in Österreich, acht bis zehn Prozent davon ohne Diagnose.
In der Schweiz zeigte die Aids-Hilfe Schweiz zum Welt-Aids-Tag 2025 eine schweizweite Plakatkampagne. Ihre Botschaft lautet „Nur Wissen schützt vor Diskriminierung“. Nach Angaben der Aids-Hilfe Schweiz kennen nur 22 Prozent der Bevölkerung das Prinzip U = U: Unter wirksamer Therapie ist HIV sexuell nicht übertragbar. Für 2024 wurden in der Schweiz und in Liechtenstein 318 neue HIV-Diagnosen gemeldet, nach 357 im Vorjahr. Etwa 17.690 Menschen lebten 2024 in der Schweiz mit HIV, 93 Prozent von ihnen wussten von ihrer Infektion. Die Zahlen stammen vom Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Aids-Hilfe Schweiz gibt sie wieder.
Was man tun kann
- Sich testen lassen, wenn ein Risiko bestand. Die Diagnose ist der einzige der drei Zielwerte, den Deutschland 2024 verfehlte. Um Prävention geht es auch am Welttag der sexuellen Gesundheit am 4. September.
- Den Selbsttest kennen. Nach einer Verordnungsänderung dürfen HIV-Selbsttests an Patientinnen und Patienten abgegeben werden. Zuvor durften sie laut Bundesministerium für Gesundheit nur an Ärzte, medizinische Labore und bestimmte weitere Einrichtungen, Behörden und Unternehmen abgegeben werden.
- Sich über die PrEP informieren. Nach § 20j SGB V haben gesetzlich Versicherte ab 16 Jahren mit substanziellem HIV-Infektionsrisiko Anspruch auf ärztliche Beratung und die nötigen Untersuchungen. Nach der Beratung besteht Anspruch auf die verschreibungspflichtigen Medikamente zur Präexpositionsprophylaxe. Die Einzelheiten gelten nach dem Gesetz mit Wirkung zum 1. September 2019.
- Spenden sammeln. Die Deutsche AIDS-Stiftung unterstützt Aktionen am Welt-Aids-Tag, etwa in Schulen, auf der Straße oder in Unternehmen, mit Spendendosen und kostenlosem Material.
- Die Rechte von Menschen mit HIV mitdenken. Der Welt-Aids-Tag bekräftigt laut Aids-Hilfe Schweiz diese Rechte und ruft zu einem Miteinander ohne Vorurteile und Diskriminierung auf. Neun Tage später folgt der Tag der Menschenrechte.
Als die WHO 1988 den ersten Welt-Aids-Tag ausrief, gab es die Kombinationstherapie noch nicht. Weitere Welttage des Monats stehen im Kalender für Dezember.
- UNAIDS, Fact Sheet vom 27. Juli 2026: 41,0 Millionen Menschen mit HIV, 1,3 Millionen Kinder, 1,2 Millionen Neuinfektionen und 570.000 Todesfälle 2025, Rückgang seit 2010 um 42 und 57 Prozent
- Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 47/2025 vom 20. November 2025: HIV-Schätzung für Deutschland Ende 2024, späte Diagnosen, 95-95-95-Ziel und Kombinationstherapie
- RKI-Ratgeber HIV-Infektion/AIDS: Erreger, Verlauf ohne Therapie und Definition von AIDS
- WHYY: James Bunn und Thomas Netter und die Wahl des 1. Dezember
- WHO: Welt-Aids-Tag, Aufklärung, Erinnerung an die Verstorbenen
- Bundesarchiv: der erste Welt-Aids-Tag 1988 und der Empfang im Palais Schaumburg 1991
- Vereinte Nationen, Mitteilung vom 27. November 1996: WHO 1988 und Resolution 43/15
- Visual AIDS: die rote Schleife und die Tony Awards 1991
- Vereinte Nationen: Welt-Aids-Tag 2025, Motto und Finanzierungskrise
- Aids Hilfe Wien, Factsheet zum Welt-Aids-Tag 2025: Motto, Neudiagnosen, Late Presenter und Menschen mit HIV in Österreich
- BIÖG, 7. November 2025: Kampagne „Gemeinsam. Gerade jetzt“
- Aids-Hilfe Schweiz: Kampagne zum Welt-Aids-Tag 2025, U = U und die Rechte von Menschen mit HIV
- Aids-Hilfe Schweiz, nach BAG-Bulletin 44/2025: Daten zu HIV in der Schweiz
- § 20j SGB V: Präexpositionsprophylaxe
- Bundesministerium für Gesundheit: Verordnung zum HIV-Selbsttest
- Deutsche AIDS-Stiftung: Aktionen zum Welt-Aids-Tag